Der 21China Tee-Führer

Wusstet ihr, dass Früchtetee gar kein Tee ist? Wir zeigen euch, wie echter Tee hergestellt wird und welche chinesische Sorten ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

Teeanbau in China

Teeanbau in China / Foto: Windslash (Flickr)

Neben Wasser ist Tee das am häufigsten konsumierte Getränk der Erde. In jeder Sekunde werden rund 25.000 Tassen Tee geleert, die jährliche Gesamtproduktion liegt bei über 4,5 Millionen Tonnen. In China nahm die Teekultur vor mehreren tausend Jahren ihren Ursprung. Die Volksrepublik produziert heute rund 1,5 Millionen Tonnen Tee pro Jahr – mehr als jedes andere Land.

Dennoch ist China längst nicht mehr die alleinige Autorität in Sachen Tee. Überall auf der Welt haben die Menschen ihre eigenen Teegewohnheiten entwickelt. Und den meisten Tee trinken nicht die Chinesen, sondern die Ostfriesen. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt hier bei 300 Litern im Jahr.

Als Ursprungsland des Tees ist und bleibt das Reich der Mitte aber von unverkennbarer Bedeutung für die weltweite Teekultur, insbesondere was die Herstellung der unterschiedlichen Teesorten anbelangt. Darum wollen wir euch heute durch das Labyrinth der unzähligen chinesischen Teesorten helfen.

Tee ist nicht gleich Tee

Als Tee darf laut ISO-Norm 3720 ausschließlich ein Aufguss von Blättern der Teepflanze (Camellia sinensis) bezeichnet werden. Aromatisiertes Wasser, das mithilfe von Früchten oder Bergkräutern zu seinem Geschmack kommt, unterscheidet man im Spanischen oder im Französischen daher auch als „Infusion“ von einem wahren Tee.

Teeanbau in China

Teefelder in China / Foto: Windslash (Flickr)

Im deutschsprachigen Raum sieht man das etwas lockerer: Rooibos-Vanille-Mischungen, zimtige Frucht-Winterträume oder Lemongrass-Ingwer-Gebräue gelten den Menschen bei uns ebenfalls als Tee. Dabei handelt es sich dabei streng genommen gar nicht um Tee.

Trotzdem ist die Geschmackspalette des richtigen Tees äußerst vielseitig. Die vielen Sorten umfassen alle nur erdenklichen natürlichen Nuancen: vom frühlingshaften Blütenduft bis hin zum erdigen Pferdemist. Doch egal ob schwarzer, roter, weißer, gelber oder grüner Tee – das Ausgangsprodukt sind stets die Blätter der Teepflanze. In dieser Hinsicht ist Tee nicht anderes als Käse, bei dem der Geschmack des Endprodukts durch die unterschiedlichen Methoden der Verarbeitung und Lagerung zustande kommt.

Britische Industriespionage

Das Wissen um den Anbau und die Verarbeitung von Tee blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eines der am besten gehüteten Geheimnisse Chinas. Den Briten, die längst auf den Geschmack des Tees gekommen waren, missfiel jedoch die Abhängigkeit von den chinesischen Exporten.

Teezubereitung in China

Nicht nur die Fermentierung, auch die Zubereitung zählt / Foto: Swiss James (Flickr)

Doch um selbst Tee anbauen zu können, fehlte es dem Empire an Know-how. Erst der Botaniker Robert Fortune konnte im Auftrag der Regierung das Geheimnis lüften. Indem dieser sich als chinesischer Landsmann aus einer weit entfernten Provinz ausgab, gelang es ihm tatsächlich, sich in die Teemanufakturen einzuschleichen und das entscheidende Wissen zu erlangen.

In der Folge bauten die Engländer ihren eigenen Tee in Indien an und China verlor seine wichtigste Einnahmequelle. Und da beklagt sich der Westen heute über Industriespionage.

Die 6 Teeklassen

Doch was fand Robert Fortune damals heraus? Der entscheidende Faktor bei der Verarbeitung der Teeblätter, auf welchem die Klassifizierung der unterschiedlichen Teesorten basiert, ist die Fermentation. Dabei handelt es sich um einen Oxidationsprozess des beim Rollen der Blätter austretenden Zellsaftes, durch den der Tee seine Farbe verändert. Auf diese Weise entsteht zum Beispiel Schwarztee. Dieser wird in China übrigens roter Tee genannt wird, weil es noch dunklere Sorten gibt.

Chinesischer Tee

Chinesischer Tee / Foto: ralphunden (Flickr)

Durchlaufen die Blätter nicht den ganzen Fermentationszyklus, sondern wird dieser frühzeitig abgebrochen, entsteht Oolong-Tee. Wird die Fermenatation durch Erhitzen der Blätter gänzlich unterbunden, erhält man grünen Tee.

Durch die unterschiedlichen Methoden der Fermentation erhält man insgesamt sechs verschiedenen Klassen:

绿茶 lǜchá grüner Tee keine Fermentation
白茶 báichá weißer Tee schwach fermentiert
黄茶 huángchá gelber Tee schwach fermentiert
乌龙茶 wūlóngchá Oolong Tee halb fermentiert
红茶 hóngchá roter (resp. schwarzer) Tee vollständige Fermentation
黑茶 hēichá / 普洱茶 pǔ’ěrchá „schwarzer“ / Pu’er Tee nachfermentiert

 

Tee als Heilmittel

Tee gilt bei vielen Menschen als Wundermittel gegen eine Vielzahl von Krankheiten. Ganz besonders trifft dies jedoch auf den grünen Tee zu, der im Zuge seiner Verarbeitung die meisten seiner ursprünglichen Inhaltsstoffe behält. Wie auch der rote Tee enthält er viele Vitamine (z.B. C und B1) und Mineralien (z.B. Fluor und Zink). Damit fördert er die Konzentration, baut Stress ab und schützt vor Karies. Darüber hinaus enthält er den Bioaktivstoff EGCG (Epigallocatechingallat), der Krebs vorbeugt und den Alterungsprozess der Zellen verlangsamt.

Viele Wissenschaftlicher glauben, dass der tägliche Genuss von grünem Tee einen Einfluss auf die hohe Lebenserwartung in Asien hat. Diverse wissenschaftliche Studien haben zudem festgestellt, dass Tee das Risiko von Bluthochdruck mindert, die Wirkung von Antibiotika verstärkt, den Cholesterinspiegel senkt und Prostatakrebs vorbeugt.

Verborgene Schätze: Tee als Luxus

Ein besonderes Juwel unter den chinesischen Tees stellt der weiße Tee dar, für dessen Herstellung nur die allerersten Frühlingstriebe der Teesträucher benutzt werden. Dieser Tee wird außerdem nicht in Fabrikhallen, sondern an der Sonne gewelkt,  wodurch eine schwache natürliche Fermentation stattfindet. Wird er anschließend nicht sofort weiterverarbeitet, setzt sich die Fermentation fort und es entsteht gelber Tee. Dieser Tee ist eine ausschließlich in China produzierte Rarität, die der Legende nach einst nur dem Kaiser vorbehalten war.

Richard Nixon und Zhou Enlai

US-Präsident Richard Nixon und Chinas Premierminister Zhou Enlai 1972

Ist die Rede von exklusiven Tees, so darf der Dahongpao (大红袍), der Rote-Roben-Tee, nicht unerwähnt bleiben. Dieser Oolong-Tee wächst an nur drei Sträuchern, die zur Zeit der Song-Dynastie (960-1279) im Wuyi-Gebirge (Provinz Fujian) gepflanzt wurden. Der jährliche Ertrag von nur einem Kilogramm ist dem chinesischen Präsidenten vorbehalten. Er wird hauptsächlich an hohe Staatsgäste verschenkt. Auch Richard Nixon erhielt bei seinem Besuch ein Päckchen des Rote-Roben-Tees, und er zeigte sich entrüstet über Mao Zedongs Knausrigkeit, bis ihm jemand dessen wahren Wert zuflüsterte. Heutzutage gelangen kleine Mengen dieses Tees mitunter auf Auktionen, wo sie Preise von mit mittleren fünfstelligen Euroberag für nur wenige Gramm erzielen.

Bei manchen Tees ist aber auch das Alter der ausschlaggebende Faktor für den Preis. Zumindest dann, wenn es sich um einen Pu’er Tee handelt, der erst in langen Jahren der Lagerung nachfermentiert. Wie bei Weinen wird Pu’er mit den Jahren immer besser – doch sein unverkennbar erdiger Geschmack ist recht gewöhnungsbedürftig. Manche erinnert er an den Geruch von Pferdedung.

Unsere Empfehlungen

Weil jedes der sechs Teeklassen hunderte Sorten aufweist, ist die Auswahl eines guten Tees für Laien nicht ganz einfach. Darum möchten wir euch diese fünf Tees empfehlen:

Name Klasse Merkmale
六安瓜片 Liu-an-gua-pian grüner Tee belebende Wirkung, erfrischender Geschmack
铁观音 Tie-guanyin Oolong Tee rauchiger Maroni-Geschmack; gut gegen Kater
普洱 Pu’Er schwarzer Tee klassisch; erdige Mistnote 
人参乌龙茶 Renshen Wulong sog. Ginseng-Oolong herb-süßlich mit intensivem Nachgeschmack
荔枝红茶Lychee Hongcha roter Tee starke natürliche Süße, Duft nach Rosen

 

 

Text: Lukas Weber