Chinesisches Kino mal anders: die Münchner China Filmtage

Vom 21. bis 25. Mai finden zum zweiten Mal die Münchner China Filmtage statt. Wir haben einen Blick in das Programm geworfen und uns mit den Initiatoren unterhalten.

Münchner China Filmtage

Szene aus A Touch of Sin

Bei chinesischem Kino denken die meisten Deutschen wohl zuerst an epische Martial-Arts-Filme im Stil von Hero oder Tiger and Dragon. Und tatsächlich waren es genau solche Filme, die die Münchner Sinologin Katarina Cvitic während der Arbeit an ihrer Magisterarbeit inspirierten, ein Filmfest über China zu veranstalten. Dieses Jahr gehen die so entstandenen Münchner China Filmtage bereits in die zweite Runde – unter dem Motto Crossing China.

Organisiert wird das Filmfest, das an fünf Tagen neun verschiedene Filme zeigt, von jungen Münchner Sinologen. Auf dem Programm steht eine bunte Mischung aus chinesischen Blockbustern und Independent-Filmen. Louise Raasch von den Münchner China Filmtagen erläutert das diesjährige Konzept: „Auch in China gibt es eine Subkultur, die neben dem staatlichen Studiosystem besteht. Diese Filme finden ebenfalls zu ihrem Publikum, wenn auch in privaten Räumen.  Solche Filme – die noch eher auf europäischen Festivals landen – wollen wir genauso zeigen wie die großen Kassenschlager in China, die es selten nach Deutschland schaffen.“

Die Perlen des Festivals

Einer dieser Kassenschlager ist Aftershock (Tangshan da dizhen) von Feng Xiaogang. Das bildgewaltige Katastrophendrama thematisiert das verheerende Tangshan-Erdbeben, bei dem 1976 mehrere hunderttausend Menschen starben.

Einen Blick in das China von heute wagt Jia Zhangke mit seinem Drama A touch of Sin (Tian zhuding). In China verboten, brachte der Film über die Verlierer des chinesischen Wirtschaftsaufschwungs seinem Regisseur eine Einladung zu den Filmfestspielen von Cannes ein.

Sowohl in Europa als auch in seiner Heimat China fast gänzlich unbekannt ist hingegen Zheng Kuo, dessen Film Burned Wings (Nan feng) auf den Münchner China Filmtagen läuft.

Besonders stolz sind die Veranstalter, mit Feuerwerk am hellichten Tage (Bairi yanhuo) vor Kinostart den diesjährigen Gewinner des Goldenen Bären präsentieren zu können.

China für ein breites Publikum

Alle Filme laufen übrigens im chinesischen Original mit Untertiteln. Trotzdem richtet sich das kleine Festival nicht nur an Sinologen – im Gegenteil.  „Unser Zielpublikum sind Leute, die bereit sind, Geschichten aus China auf sich wirken zu lassen, ohne dabei nach der Bestätigung eines vorgefertigten Bildes zu suchen“, sagt Louise Raasch. „Menschen, die Lust haben, mehr über ein ihnen fernes  Land zu erfahren, ohne dabei nur nach Fremdem zu suchen.“ Das Festival bietet dazu die perfekte Gelegenheit.

Die Münchner China Filmtage 2014 finden vom 21. bis 25. Mai im Monopol-Kino statt. Das vollständige Programm findet ihr hier.

 

Text: Sven Hauberg