Chinas kleine Toilettenrevolution

Versiffte Hocktoiletten, kaum Privatsphäre und beißende Gerüche: Kaum ein Tourist in China schafft es, die Bilder von öffentlichen Toiletten aus seinem Gedächtnis zu verbannen. Jetzt stellte die Regierung einen Drei-Jahres-Plan für die Modernisierung öffentlicher Toilettenanlagen vor.

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Hock-Klos ohne Trennwände gehören in China zum Alltag. Foto: Robert Ennals (Flickr)

Jede Kultur hat ihre eigene Toilettentradition. In China ist sie besonders speziell: Öffentliche Toiletten bestehen meistens aus einer Reihe von Löchern, die direkt in den Boden eingelassen sind. Um seine Notdurft zu verrichten, muss man sich in unbequemer Position über die Löcher hocken.

Dazu sind die Hock-Klos vielerorts versifft und schlecht ausgestattet: Toilettenpapier und Seife? Fehlanzeige! Eine funktionierende Spülung? Ein Luxus! Und weil die Kanalisation in China vielerleiorts den Mengen an Toilettenpapier und anderen Hygienartikeln nicht gewachsen ist, steht neben der Toilette meist ein Eimer, in den man das Klopapier wirft. Einen Blick in den Eimer sollte man dabei besser nicht riskieren – erfahrene Chinareisende wissen das.

Und oft ist es sogar noch schlimmer: Auch Türen und Trennwände sind mancherorts eine Rarität. Und so darf man seinen Mitmenschen dabei zusehen, wie sie ihr Geschäft verrichten – und muss seinerseits mit Blicken rechnen. Manchmal gibt es an Stelle von Hock-Klos sogar nur eine Rinne, in die mehrere Menschen, aneinandergereiht wie auf einer Hühnerstange, ihre Notdurft tun. Und was da zuweilen durch die Rinne unter einem durchschwimmt, ist ein Anblick, den kaum jemand vergisst. Für Hygiene-Liebhaber ein Albtraum!

3-Sterne-Klos für Touristen

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Denn die chinesische Regierung plant eine kleine Toilettenrevolution – zumindest auf öffentlichen Toiletten, die in der Nähe von Touristenattraktionen zu finden sind. So kündigte der Direktor des nationalen Tourismusamts Lin Jinzao in der vergangenen Woche an, bis 2017 für Touristen bestimmte Toiletten zu modernisieren. Im gesamten Land sollen dafür insgesamt 33.500 neue Toiletten gebaut und weitere 25.000 Toiletten erneuert werden. Ziel ist es, alle Toiletten zu „3-Sterne-Klos“ umzufunktionieren. Zur Erklärung: In China werden alle öffentlichen Toiletten nach einem Sterne-System bewertet, wobei die besten Toiletten mit fünf Sternen ausgezeichnet werden.

Der neueste Hygiene-Vorstoß ist wohl vor allem ein Versuch, die Zahl der (zufriedenen) Touristen in China zu erhöhen. Und noch einen Grund hat die Revolution auf dem Klo: Premier Li Keqiang kündigte diese Woche an, die allgemeinen Hygiene-Standards im Land verbessern zu wollen – unter anderem, um größere Epidemien wie die Vogelgruppe zu vermeiden. Bereits Ende letzten Jahres ist diese, laut WHO, erneut in China aufgetaucht. Drei Personen sollen bereits an den Folgen des tödlichen Virus gestorben sein.

 

Text: Lisa Niklas, Titelbild: SuSanA Secretariat (Flickr)