Chinas Staatsfernsehen warnt vor Mercedes und VW

In China trahlt das Staatsfernsehen CCTV jedes Jahr am 15. März eine große Sondersendung zum Konsumentenschutz aus. Dieses Mal standen wieder zwei deutsche Marken am Pranger: Mercedes und VW. Sie wird die Ausstrahlung Millionen kosten.

Mercedes-Shanghai

Mercedes S-Klasse in Shanghai / Foto: Tom Mascardo (Flickr)

Am Welttag der Konsumentenrechte bringt die Gala 315 jedes Jahr Vertreter ausländischer Unternehmen in China zum Zittern. Dieses Jahr knöpfte sich CCTV wieder zwei deutsche Unternehmen vor. Gemeinsam mit Nissan werden Mercedes und VW beschuldigt, ihre gut zahlenden Kunden beim Service abzuzocken.

Bei Routinereparaturen seien Undercover-Reportern in mehr als zwei Dritteln aller Fälle überflüssige Reparaturen untergejubelt worden. Ein Vorwurf, der ins Bild der Sendung passt. Die Gala 315 wirft ausländischen Marken regelmäßig vor, die chinesischen Konsumenten zu schröpfen.

Die Schelten sind indes nicht unberechtigt. Abgesandte ausländischer Unternehmen prahlen gegenüber ihren Kollegen in der Heimat ja nicht ungerne mit den traumhaften Margen in Fernost. Besonders für Autoindustrie gilt China als wahre Goldgrube.

Alle Jahre wieder: Ausländische Autobauer im Visier

Blöd für VW: Volkswagen erwischte es nun bereits zum zweiten Mal. Schon vor zwei Jahren berichtete CCTV über Probleme beim Service. Damals mussten die Wolfsburger 380.000 Autos zurückrufen. Der Rückruf kostete Deutschlands größten Autobauer rund 460 Millionen Euro.

Anders als vor zwei Jahren bezogen die beiden deutschen Autohersteller sofort öffentlich Stellung. „Wir entschuldigen uns aufrichtig bei unseren Kunden für jegliche Unannehmlichkeiten“, heißt es bei VW. „Wir möchten Sie ermutigen, sich direkt an uns zu wenden, falls Sie Probleme mit dem Service unserer Händler haben.“  Und Mercedes schreibt in seinem chinesischen Blog: „Wir werden sofort eine umfassende Untersuchung einleiten und Verbesserungen bei den betroffenen Händlern anmahnen.“ Ob die Reportage ähnliche finanzielle Konsequenzen wie vor zwei Jahren haben wird, bleibt abzuwarten.

Auffällig ist, dass chinesische Unternehmen in der Regel von den jährlichen Schelten verschont bleiben. Die ausländische Autoindustrie ist hingegen ein beliebtes Opfer. Letztes Jahr musst zehn japanische Zulieferer Geldstrafen von insgesamt 150 Millionen Euro berappen. Vermutlich will Peking damit den Erfolg der wachsenden heimischen Autoindustrie befeuern.

 

Text: Adrian Kummer