Chinas Internet-Giganten, Teil 1: Baidu

Die Internet-Suchmaschine Baidu ist die am häufigsten besuchte Website Chinas. Weltweit liegt sie auf Rang fünf. Doch was ist das Besondere an Baidu? Wir nehmen den Giganten unter die Lupe.

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Baidu ist mehr als eine Suchmaschine

Baidu  (百度) ist mehr als eine Suchmaschine und unterscheidet sich darin kaum von seinem Konkurrenten Google. So betreibt Baidu ein eigenes soziales Netzwerk, einen eigenen Browser, einen Kartendienst, eine Bildersuche, eine Analyse-Plattform, einen Übersetzungsdienst, eine eigene Frage-Antwort-Seite und vieles mehr. Die Produkterweiterungen des Konzerns scheinen, ähnlich wie bei Google, ins Unermessliche zu steigen.

Eine Besonderheit ist jedoch der Dienst Baidu Baike, eine Alternative für das in der Volksrepublik gesperrte Wikipedia: Ähnlich wie bei der westlichen Konkurrenz sollen die Nutzer ihr Wissen zur Verfügung stellen. Anders als bei Wikipedia dürfen dies jedoch nur angemeldete Mitglieder. Und um die Zensur zu erleichtern, müssen vorgenommene Änderungen erst von einem Moderator freigeschaltet werden. Das schützt vor zu kritischen Einträgen, aber auch vor Manipulation durch Unternehmens-PR.

 

Baidu und die liebe Zensur

2010 hat sich Googles Suchmaschine aus Festland-China nach Hong Kong zurückgezogen, um sich den strengen Zensurvorgaben zu entziehen. So konnte sich der Marktanteil von Marktführer Baidu nach Googles Rückzug um ganze sechs Prozent steigern. Heute liegt er bei 63%, Googles Anteil bei gerade mal 3%.

Baidu muss, um auf dem chinesischen Markt überhaupt bestehen zu können, eng mit den chinesischen Behörden zusammenarbeiten. Der Internetriese blockt ganze Webseiten sowie einzelne Inhalte und muss dafür einen riesigen Zensurapparat beschäftigen, ähnlich wie der Twitter-Klon Sina Weibo. Für dieses wird Baidu im Westen häufig kritisiert. So klagten 2011 acht US-amerikanische Aktivisten, deren Webseiten von Baidu zensiert wurden, unter Berufung auf die amerikanische Verfassung gegen den Konzern. 2013 wurde die Klage abgewiesen, nachdem China mit dem Verweis auf die Verletzung der eigenen Souveränität die Mitwirkung verweigerte.

 

Baidu goes global

Doch trotz aller Vorbehalte aus dem Ausland will sich Baidu nicht nur in China, sondern auch global weiter positionieren. Noch liegt Baidus weltweiter Marktanteil bei knapp 16%, wobei der größte Teil davon auf die vielen chinesischen Nutzer zurückzuführen ist. Der Anteil von Googles Suchmaschine liegt bei über 70%. Bereits seit 2008 ist Baidu deshalb in Japan unterwegs – bislang jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Baidu liegt dort weiterhin weit hinter dem Marktführer Yahoo zurück. Ein weiteres Problem sind Sicherheitsmängel in Baidus Software, die in letzter Zeit immer wieder für Aufruhr in der japanischen Öffentlichkeit sorgten. Auch deshalb will das Unternehmen wohl in nächster Zeit lieber in Entwicklungs- und Schwellenländer investieren. Getestet werden derzeit Suchmaschinendienste in Ägypten, Brasilien und Thailand.

 

Was „baidut“ China?

Unter den Top Ten-Suchwörtern befanden sich 2013 unter anderem die Begriffe „Taobao“ (die größte Shopping-Website), „Wu Dong Qian Kun“ (ein Kung-Fu-Roman) und „Qzone“ (ein beliebtes soziales Netzwerk). Die Chinesen setzten bei ihren Gesuchen also hauptsächlich auf Unterhaltung. Ähnliches bei Google-Nutzern. Zu den am häufigsten gegoogelten Wörtern gehörten das „iPhone 5S“, der „Harlem Shake“ und die „PlayStation 4“.

 

Text: Lisa Niklas / Bild: Baidu