Chinas bedrohte Sprachen

25 der 300 Sprachen Chinas sind stark vom Aussterben bedroht. Darunter Mandschurisch, Macaista und die Sprachen der indigenen Völker Taiwans. Wir zeigen euch, wie sie sich anhören und erklären, warum es sich lohnt, sie zu schützen.

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Übersicht über stark vom Aussterben bedrohte Sprachen in Eurasien und Nordafrika / Quelle: UNESCO

Von den etwa 300 Sprachen in China sind neun Sprachen bereits für immer von der Landkarte verschwunden. Und 25 weitere befinden sich laut UNESCO in höchster Gefahr  – sie werden meist nur noch von wenigen Alten gesprochen und vermutlich in den nächsten Jahren aussterben.

Drei Sprachen sind besonders bedroht: das historisch bedeutsame Mandschurisch, die Mix-Sprache Patuá und sie Sprachen der indigenen Völker Taiwans.

 

Mandschurisch

Die mandschurische Sprache war einst von großer Bedeutung: Von 1644 bis 1911 herrschten die Mandschuren – eine nordchinesische Minderheit – in der so genannten Qing-Dynastie über China. So wurde Mandschurisch zur offiziellen Sprache am Hof des Kaisers. Zwar wurde sie bereits Ende des 17. Jahrhunderts selbst dort kaum mehr gesprochen; offizielle Dokumente wurden jedoch noch bis Ende der Qing-Dynastie Chinas im Jahre 1911 auf Mandschurisch verfasst.

Heute wird Mandschurisch von der mandschurischen Minderheit kaum mehr gesprochen – die Nachfahren sprechen inzwischen alle Mandarin. In den Dörfern Dawujia und Sanjiazi in der nordchinesischen Provinz Heilongjiang soll es noch rund zwei Dutzend Sprecher geben. Ansonsten ist die mandschurische Sprache weitgehend ausgestorben. Und so klingt Mandschurisch:

 

Patuá

Nur noch etwa 50 Menschen sprechen die im 16. Jahrhundert auf der Halbinsel Macao entstandene Mix-Sprache Patuá. Nachdem die Portugiesen die Stadt im Jahr 1557 besiedelt hatten, begann sich die Sprache schrittweise zu entwickeln. Aufgrund der global-wirtschaftlichen Bedeutsamkeit Macaos wurde Patuá von zahlreichen asiatischen und europäischen Sprachen beeinflusst: So ergab sich ein einzigartiger Sprachen-Cocktail aus Malaiisch, Kantonesisch, einigen indischen Sprachen, Japanisch, Englisch, Spanisch und natürlich Portugiesisch.

Patuá wurde zwar nie von mehr als ein paar Tausend Personen gesprochen, entwickelte sich aber trotzdem im 17. bis 18. Jahrhundert zur Hauptkommunikationssprache auf Macao. Im frühen 20. Jahrhundert wurde es vor allem dazu verwendet, um sich von der Kolonialmacht Portugal abzugrenzen: Verspottende Sketche auf Patuá machten sich über die Staatsbeamten aus Portugal lustig.

Obwohl Patuá heute von nicht mehr als einer handvoll Menschen gesprochen wird, sind die Macanesen sehr stolz auf ihre eigene Sprache und versuchen, diese mit Hilfe von kulturellen Projekten zu rekultivieren.

Und so hört sich Patuá an:


 

Taiwanesische Sprachen

Taiwan hat die höchste Dichte an bedrohten Sprachen: Acht der neun bereits verschwundenen Sprachen waren auf Taiwan angesiedelt. Fünf der am stärksten bedrohten Sprachen befinden sich ebenfalls auf der kleinen Insel, darunter Kavalan (noch etwa 20 Sprecher), Nataoran (ebenfalls 20 Sprecher) und Thao (etwa zehn Sprecher).

Diese Sprachen werden alle von den indigenen Völkern Taiwans gesprochen, welche nur etwa zwei Prozent der Einwohner ausmachen. Diese so genannten formosianischen Sprachen haben eine große linguistisch-historische Bedeutung: hier haben die austronesischen Sprachen ihre Herkunft. Diese werden von Madagaskar bis zur Osterinsel und von Taiwan bis Neuseeland gesprochen und bilden mit 300 Millionen Sprechern weltweit die zweitgrößte Sprachfamilie.

Einen Eindruck von der formosianischen Sprache Kavalan bekommt ihr hier:

So viel zu den seltensten Sprachen Chinas. Einen Überblick über die meistgesprochenen Sprachen in China findet ihr hier. Und wo sie überall gesprochen werden, seht ihr auf dieser Karte.

 

Text: Lisa Niklas