China: Fußball-Weltmeister der Zukunft?

Morgen startet die Fußball-WM in Brasilien und die ganze Welt befindet sich im Fußballfieber. Die Chinesen dürfen mal wieder nur zuschauen. Doch mit der größten Fußball-Akademie der Welt in Guangdong soll sich das bald ändern.

Fussball-Hongkong

Kinder spielen Fußball in Hong Kong / Foto: See-ming Lee (Flickr)

In Peking wohnen mehr Menschen als in Bosnien und Herzegowina, Algerien und Honduras zusammen, und doch haben die drei Länder China etwas voraus: sie sind dabei bei der Fußball-WM in Brasilien, während die Chinesen mal wieder nur in die Röhre schauen. Das fußballerische Potenzial der Volksrepublik könnte riesig sein, jedoch fürchten sich nicht einmal Teams wie Usbekistan, Burkina Faso oder Haiti vor den Chinesischen Drachen, liegen die Entwicklungsländer doch dutzende Plätze vor den Chinesen in der FIFA-Weltrangliste.

Aber das soll sich bald ändern – mit Hilfe der größten Fußball-Akademie der Welt in Guangdong. Die Evergrande International Football School öffnete 2012 50 Kilometer vor Guangzhou ihre Tore, und das mit nur einem Ziel: China eine Hauptrolle auf der Weltbühne des Fußballs zu verschaffen. Der Wirtschaftsriese soll nicht länger ein Fußballzwerg bleiben, ganz nach dem Vorbild des Clubs und Namensgebers der Akademie Guangzhou Evergrande, der 2013 die asiatische Champions-League gewinnen konnte.

Mit spanischer Hilfe zum WM-Titel

Auch Präsident Xi Jinping hat längst das Fußballfieber gepackt. Er habe drei Träume, sagte er 2011: „Dass China sich für die nächste WM qualifiziert, dass China eine WM gewinnt und das China die WM ausrichtet.“

Um diese Träume zu verwirklichen, hat man sich Hilfe von außen geholt. In einer Art Joint Venture mit Real Madrid bilden Trainer und Betreuer aus Spanien die jungen chinesischen Talente in der Fußballakademie von Guangdong aus. „Ich weiß nicht, ob China Weltmeister werden kann, aber das ist unser Ziel“, sagt Sergio Sestelo, einer der Trainer, gegenüber der englischen Zeitung The Telegraph. Der 35-jährige Madrilene spielte 13 Jahre lang in Spanien als Profi, hauptsächlich in der zweiten Liga.

Es gebe viele Spieler in einem so großen Land wie China. „Unsere Aufgabe ist es, Talente ausfindig zu machen und mit ihnen zu arbeiten, um China einmal zur Nummer zwei in der Welt zu machen.“ Denn Spanien würde sowieso die Nummer eins bleiben, bemerkt Sestelo scherzhaft.

Den Pokal stets vor Augen

Das Geld für das Vorhaben kommt dabei nicht vom chinesischen Staat, sondern vom Immobilienmogul Xu Jiayin. Der Multimilliardär ist der Besitzer des Clubs Guangzhou Evergrande und hat in die Fußballakademie rund 140 Millionen Euro investiert.

Fussball-Peking

Riesiges Potenzial: Jugendspiel in Peking / Foto: IvanWalsh.com (Flickr)

Der gigantische Komplex wurde in nur zehn Monaten aus dem Boden gestampft: Wohnheime im europäischen Stil, 50 Fußballplätze, ein olympisches Schwimmbecken, ein Supermarkt, ein Kino, ein Stadion und 500 Vollzeitmitarbeiter machen die Fußballschule zu einem Projekt der Superlative. Und damit keiner der bald 10.000 Schüler das große Ziel aus den Augen verliert, ließ Xu vor dem Eingang eine fünf Meter große Nachbildung des WM-Pokals errichten.

Die gesamte Belegschaft gibt sich euphorisch. Shen Xianzhang, Vizedirektor der Akademie, sagt begeistert: „Unsere Schule wird dem chinesischen Fußball neuen Schwung verleihen. Unsere Jugendspieler werden schon bald die Weltbühne betreten.“

Die Ambitionen scheinen berechtigt. Zahlreiche Top-Klubs aus Europa haben bereits Interesse angemeldet. Vertreter von Aston Villa hätten die Akademie sogar ganz offiziell im Februar besucht. Und der FC Chelsea hat ebenfalls in Guangzhou eine eigene Fußballakademie bauen lassen. Das Fußballland China befindet sich im Aufschwung.

„Fußball sollte Spaß machen“

Es wird tatsächlich mehr als nur eine Schule brauchen, um China zu einer Fußballmacht wachsen zu lassen. Das weiß auch Sanchez Cipitria, Chefcoach der Akademie. Stars hervorzubringen sei in keinem Land einfach. Und im Reich der Mitte müsse man den Chinesen künftig eher die Liebe zur Kreativität beibringen als die Angst vor dem Versagen. „Schließlich sollte Fußball Spaß machen. Es ist ein Sport, aber man lernt ihn, indem man Spaß daran hat.“

Für den Fall des Versagens trägt die Akademie auch Sorge. Die schulische Ausbildung reicht aus, dass jeder später die Universität besuchen könne, so Vizedirektor Shen Xianzhang. Doch die meisten Schüler haben ein ganz anderes Ziel: Europa oder Brasilien.