China dreht Blockbuster in Bayern

In Bayern soll ein chinesischer Blockbuster-Streifen entstehen. Wir waren dabei, als in München das Projekt vorgestellt wurde.

Foto: Embassy of Dreams

Die Story von “Love Of Alps” geht in etwa so: Eine fernöstliche Schönheit mit Vorliebe für den Rennsport reist nach Bayern, um dort mit dem Prinzen Edward anzubandeln, seines Zeichens passionierter Rennfahrer. Dessen eifersüchtiger Ex gefällt das allerdings gar nicht. Derweil macht sich eine Gruppe chinesischer Meisterdiebe auf den Weg in die Alpen, um besagten Rennfahrer-Prinz auszurauben. Denn daheim wartet ein sterbenskrankes Mütterchen sehnsüchtig auf das Geld. – Was klingt wie “Rosamunde Pilcher” auf Drogen soll tatsächlich ein millionenschwerer Kinokracher werden. Kann das funktionieren? Es wird funktionieren: “Love Of Alps”, so der internationale Arbeitstitel der chinesischen Produktion “Qing Zui Bu She”, wird in bis zu 5.000 Kinos im Reich der Mitte starten und soll knapp das Zehnfache seiner Produktionskosten einspielen.

Zur Einstimmung auf das Projekt, das am Donnerstag am Rande des Filmfests München vorgestellt wurde, betritt ein echter chinesischer Superstar die Bühne: Sängerin Gong Linna, die auch Stücke zum Soundtrack von “Love Of Alps” beisteuern wird. Ein romantisches und ein schnelles Lied wolle sie zum Besten geben, kündet sie an. Was dann folgt, klingt für westliche Ohren vor allem: sehr schrill. In einer Peking-Oper mag man sich diese Musik vorstellen, in einem Blockbuster wohl kaum. Es sind eben doch zwei sehr unterschiedliche Welten, die aufeinandertreffen, wenn Chinesen und Deutsche gemeinsam einen Film drehen.

Mit dabei: Zhang Ziyi – und Jochen Schropp

Entstehen soll “Love Of Alps” nämlich vor allem in Deutschland. Rund 90 Prozent der Dreharbeiten werden in Bayern stattfinden, ebenso die Postproduktion. Die Besetzung hingegen soll international sein: Wenn der Dreh voraussichtlich im kommenden April beginnt, stehen chinesische Superstars wie Zhang Ziyi (“Tiger and Dragon”) und Eddie Peng sowie der Japaner Shun Oguri vor der Kamera. Die Rolle des bayerischen PS-Prinzen soll in den nächsten Monaten mit einem “bekannten, internationalen US-Star” besetzt werden, verspricht der deutsche Produzent Helmut Hartl. Hans, den besten Freund des Prinzen, spielt der deutsche Moderator Jochen Schropp. Durch Zufall sei er zu dem Projekt gekommen, sagt der 37-Jährige, und er wirkt auch so, als sei er nur aus Versehen hier. In China war Schropp noch nie, gesteht er, dafür schon einmal in Thailand. Immerhin.

Bleibt eine Frage: Meinen die das alles ernst? Ja, das tun sie. Die beiden deutschen Produzenten zeichneten bislang für millionenschwere Werbekampagnen und Kinofilme wie die Doku “Drachenmädchen” verantwortlich. Von chinesischer Seite übernimmt Shirley Gao die Produktion, die mit Filmen wie “Lebewohl, meine Konkubine” an den größten Erfolgen des chinesischen Kinos beteiligt war. Diese Menschen wissen, wovon sie sprechen. Und sie sind überzeugt: Die bayerische Alpenlandschaft als Setting, das zieht in China. Nicht ohne Grund steht in der subtropischen Provinz Guangdong seit einigen Jahren eine Kopie des Alpen-Städtchens Hallstatt.

16 Millionen Euro Budget

Eine Drehgenehmigung von der zuständigen chinesischen Zensurbehörde habe der Film schon, verkündet Produzent Hartl. In wenigen Monaten solle die Finanzierung stehen. Man hoffe, auch deutsche Partner wie den FilmFernsehFonds Bayern ins Boot zu holen. “Aber eigentlich sind wir gar nicht auf die angewiesen”, sagt Regisseurin Tang Danqing mit großem Selbstbewusstsein. Die Produktionskosten sollen bei umgerechnet 16 Millionen Euro liegen. “Das ist viel für einen chinesischen Film”, betont Tom Wommer, ausführender Produzent des Blockbusters. Man wird in dem Streifen viele schnelle Autos sehen, kündigt Produzent Hartl an. Platz also für Product Placement: “Die deutschen Autohersteller könne sich schon mal anstellen”, sagt er mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

Regisseurin Tang verspricht schon mal vollmundig einen “richtig großen Kommerzfilm” – erstaunliche Worte für eine Frau, die ihr Handwerk ausgerechnet bei Politfilmer Rosa von Praunheim in Berlin gelernt hat. “Wir wollen weltweit die Box-Offices kapern”, verkündet sie. Zumindest in China könnte “Love Of Alps” mit seiner Mischung aus “Pretty Woman” und “Fast and Furious” durchaus ankommen. Aber international? “Monster Hunt”, der zweiterfolgreichste chinesische Film aller Zeiten, lief auch in den USA und Kanada an. Ergebnis: magere 21.000 Dollar. Aber das ist auch schon wieder ein Jahr her, und in China ändern sich die Dinge bekanntermaßen schnell. Vielleicht wird “Love Of Alps” ja tatsächlich der erste weltweit erfolgreiche chinesische Blockbuster – made in Bayern.

Text: Sven Hauberg / teleschau – der Mediendienst