China Art @ New York City: The Next Generation

Unsere Kunstkennerin Alice Schmatzberger reiste für drei Ausstellungen nach New York, um der chinesischen Gegenwartskunst auf die Spur zu gehen. Was sie im Big Apple erwartete, erfahrt ihr in ihrem Erlebnisbericht.

Frühling in New York City – trotz Kälte an sich schon einfach fantastisch! Wenn dann aber auch noch zwischen 16. und 65. Straße Unmengen an zeitgenössischer chinesischer Kunst zu finden sind, schlägt mein Herz als langjährige Kennerin der chinesischen Gegenwartskunst natürlich noch höher!

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Manhattan / Foto: Greg Knapp (Flickr)

Denn mich treibt nicht nur die urban beauty hierher – es gilt, mitten in Manhattan einen kompakten Einblick in die jüngsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst Chinas zu nehmen, einen Blick darauf zu erhaschen, was eine neue Generation an Künstlern derzeit so produziert. Hier nun mein persönliches Best-of dieser Tage.

 

1. Station: Focus:China @ The Armory Show

China stand heuer im Mittelpunkt der Kunstmesse The Armory Show. Philip Tinari, Leiter des Ullens Center for Contemporary Art in Beijing, stellte eine ungewöhnliche Mischung aus meist jungen künstlerischen Positionen zusammen – und schaffte dabei den Spagat zwischen Rücksichtnahme auf die US-amerikanischen Sehgewohnheiten und dem Anspruch auf ein sanftes Zurechtrücken der bisherigen Wahrnehmungen zeitgenössischer chinesischer Kunst. Etliche dieser oft konzeptuellen Arbeiten waren überhaupt das erste Mal außerhalb Asiens oder gar Chinas zu sehen!

Focus_Space Station

Double Fly Art Center, Installation (Detail); Galerie Space Station/Beijing

Focus_Exit

Nadim Abbas, Zone(1) (Installation); Galerie Exit/Hong Kong

Focus_Tianrenheyi Art Center_3

von links nach rechts: Qiu Zhijie, The Poets even been driven out of the Republic by Plato, 2013, Use to be a loser, 2013; Yuan Gong, Turning back, 2013; Jin Feng, Socialist Leaders, 2013;Xu Zhen, Play – Chubby Girl, 2013; Galerie Tianrenheyi Art Center/Hangzhou

 

2. Station: Outside The Lines @ RH Contemporary Art Gallery

Da eine Auswahl zu treffen, ist wirklich schwierig! Während bei der Armory Show auch auf Verträglichkeit für das US-Publikum geachtet wurde, ist hier in den beinahe sakralen Räumen der RH Contemporary Art Gallery über fünf Etagen die pure Kunst, die pure Ästhetik ausgebreitet. Video und Fotografie, Großformatiges, viel schwarz/weiß, Reduziertes, Anklänge an Tuschemalerei, Abwandlungen der klassischen Landschaftsdarstellung – eine unglaublich beeindruckende Show, die eine zeitgenössische genuin chinesische Kunstsprache zeigt, die aus traditionellen und aktuellen Quellen schöpft.

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Yang Yongliang, The Night of Perpetual Day (Video), 2013

RH_Gao Weigang

Gao Weigang, VICE A, 2013 (Painting); UP #3 (Sculpture), 2013

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Li Hui, V (Installation), 2009

Weitere Bilder zur Ausstellung findet ihr hier.

 

3. Station: Ink Art @ Metropolitan Museum of Art

Hier, in den beschaulichen Hallen eines altehrwürdigen Museums, lässt sich auch die zeitgenössische Kunst nochmals anders erleben – ein schönes Beispiel dafür, wie der Raum und die Art der Präsentation die Wahrnehmung beeinflussen können. Teilweise in klassischen Schaukästen zeigen sich hier auch einige der Vorreiter des zeitgenössischen chinesischen Kunstschaffens. Endlich eine Gelegenheit, manche großen Meister im Original zu sehen, und etliche sind immer noch aktiv – unverzichtbar, um die Anfänge der Moderne Ende des 20. Jahrhunderts in China zu verstehen!

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Xu Bing, Book from the Sky (Installation), ca. 1987-91

Met_Huang Yan

Huang Yan, Chinese Landscape Tattoo N°2, N°4, 1999 

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Hong Hao, Spring Festival along the River (Detail), 2000

Sowohl Vielfalt als auch Qualität all dieser künstlerischen Arbeiten machen deutlich, was sich seit den Anfängen einer zeitgenössischen Kunst in China bewegt hat – insbesondere abseits der wenigen im Westen bekannten und immer wiederholten Namen. Was das alles bedeutet? Mein Kommentar dazu demnächst in diesem Theater.

Text: Alice Schmatzberger