Buchtipp: Gebrauchsanweisung für Tibet

Der Urlaub war zu kurz und ihr habt noch immer Fernweh? Dann haben wir genau das Richtige für euch: eine Gebrauchsanweisung für Tibet. Wir zeigen euch, warum ihr das Buch lesen solltet.

Gebrauchsanweisung_Tibet

Um Tibet ranken sich viele Mythen. Die chinesische Regierung erlaubt westlichen Touristen allerdings nicht immer, in die geheimnisvolle Welt des „Tors zum Himmel“ einzutauchen – und wenn, dann nur in Reisegruppen.

Da kommt das Buch des ehemaligen China-Korrespondenten Uli Franz ganz gelegen: Es gewährt einen tiefen Einblick in Tibets Kultur und Geschichte.

Worum geht’s?

Klar ist nur eins: es geht um Tibet. Doch mit der Nüchternheit einer Gebrauchsanweisung hat das Buch wenig zu tun. Auch als Reiseführer geht es nicht durch. Vielmehr ist es eine Erzählung, die dem Leser Einblicke und Hintergründe liefert – und das ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wie man es normalerweise von einer Gebrauchsanweisung gewohnt ist.

In 17 Kapiteln begibt sich der Leser auf einen Streifzug durch bunt gemischte Themen, von Geschichte über Politik bis hin zum buddhistischen Lebensrad. Es geht um die Höhenkrankheit, das Verhältnis zwischen Chinesen und Tibetern, tibetische Medizin, die chinesische-tibetischen Beziehungen, Einreisemodalitäten, den Frauenüberschuss (viele Männer gehen ins Kloster), Prostitution, Heiratswünsche und vieles mehr. So nüchtern aufgezählt klingen die Themen weit weniger spannend als sie sind. Uli Franz beschreibt sie alle auf sehr lebendige Art und Weise und behandelt sie in angemessener Ausführlichkeit. Er bedient sich hin und wieder einiger Klischees und lässt seine Ansichten einfließen. Das füllt seine Erzählung mit Leben und lässt den Leser schmunzeln oder stutzen, regt ihn auch manchmal zum Nachdenken an.

Humor und Ernst wechseln sich ab

Beispielsweise beschreibt Uli Franz in dem Kapitel „Wilde große Kinder“ über die tibetischen Männer. Etwas spöttisch schildert er den Einzug der westlichen Kleidung. Dabei geht es vor allem um die schrägsten Kombinationen traditioneller Kleidung mit westlicher oder darum, dass Jugendlichen ihr Outfit nicht bunt genug sein kann. Jeder, der schon einmal in China war, kann einen derartigen Anblick nachempfinden.

Doch Franz schlägt auch ernste Töne an, wenn er zum Beispiel vom Abendessen bei der Familie seines Reiseleiters erzählt und dessen Schicksal, Träume und Wünsche schildert.

Dennoch: Allzu Ernst nehmen sollte man nicht alles, was Uli Franz über die Tibeter schreibt. Aber gerade die Mischung aus Humor und Ernst hält den Leser bei der Stange.

Ein Buch für alle China- und Tibet-Interessierten

Langweilig wird es beim Lesen kaum. Höchstens die Informationsflut zwingt den Leser hin und wieder, eine Pause einzulegen. Wer sich also für Tibet im Besonderen oder China im Allgemeinen interessiert, sein diesjähriges Reisebudget aber bereits aufgebraucht hat, dem sei die Lektüre des Buchs nur zu empfehlen.

Die 200 Seiten starke Gebrauchsanweisung für Tibet könnt ihr hier für 12,90 EUR kaufen. Erschienen ist das Buch im Piper-Verlag in München.

Drei weitere interessante Bücher zum Thema hat außerdem unser Autor Adrian Kummer zusammengestellt.

 

Text: Verena Weber