3 Bücher … über Chinas Wanderarbeiter

Sie sind die Macher von Chinas Wirtschaftsboom: Fast 300 Millionen Arbeitsmigranten wandern jährlich von den ärmeren, ländlichen Gegenden in die reicheren Metropolen an der Ostküste Chinas. Meist arbeiten sie auf der unermüdlichen Suche nach dem Glück für einen Hungerlohn. 3 Bücher über sie, die ihr lesen solltet.

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Das Alltagsleben

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In ihrer tief gehenden und doch leicht leserlichen Studie berichtet die Ethnologin Lena Kaufmann über das Alltagsleben einer ländlichen Migrantenfamilie in Shanghai. Diese betreibt ein kleines Straßenrestaurant, in dem mala tang – eine scharfe Nudelsuppe – verkauft wird. Mit welchen Strategien sichern sie ihr tägliches Überleben im ungewohnten Stadtleben? Ausgehend von einer Schüssel Suppe zeichnet die Autorin einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben der Wanderarbeiter Chinas nach. Hier verschwimmen die Millionen Migranten nicht zu einer gesichtslosen Masse, sondern werden als Menschen mit wertvollen Qualifikationen und eigenen Überlebensstrategien wahrgenommen.

Mala tang – Alltagsstrategien ländlicher Migranten in Shangai, Harrassowitz Verlag, 117 Seiten, 24,80 EUR, erhältlich hier

 

Die Alltagsbilder

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Sechs Jahre lang begleitete der Fotograf Wolfgang Müller chinesische Wanderarbeiter in ihrem Alltagsleben. So entstanden sehr persönliche Bilder, die einen tiefen Einblick in das Leben der Wanderarbeiter geben. Damit verbunden sind Hoffnungen, Träume und Wünsche der Menschen, die hinter dem Wirtschaftsboom stehen – und letztendlich auch ein Stück Menschheits-Geschichte.

Mingong – Die Suche nach dem Glück, Vice Versa Verlag, 173 Seiten, 39,90 EUR, erhältlich hier 

 

Das System im Hintergrund

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Von dem Hukou-System und dessen Einfluss auf das Leben der Wanderarbeiter hat jeder China-Kenner schon einmal gehört. Verstehen tut dieses komplexe System jedoch kaum einer. Wang Fei-Ling schafft hier Abhilfe und beschreibt die Logik des Systems von Grund auf: Was sind eigentlich die Vorteile eines Systems, das Millionen von Menschen an den Rand der Gesellschaft drückt? Warum ist es überhaupt entstanden? Und vor allem: Warum existiert es weiter? Wer das Hukou-System versteht, wird auch China besser verstehen.

Organizing Through Division and Exclusion: The Hukou System, Stanford University Press, 320 Seiten, 56,44 EUR, erhältlich hier

 

Text: Lisa Niklas / Cover: Verlage / Foto: Matt Ming (Flickr)