Wie Chinesen Geburtstag feiern

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt natürlich auch für Geburtstage in China. Wir zeigen euch, was die chinesischen von unseren Feierlichkeiten unterscheidet.

Nudeln anstatt einer Geburtstagstorte? Für viele Chinesen gehören die langen Geburtstagsnudeln zu einer gelungenen Feier, sollen sie dem Geburtstagskind doch Glück, Gesundheit und ein langes Leben garantieren. Aber das ist lange nicht der einzige Punkt, in dem sich chinesische von deutschen Geburtstagen unterscheiden.

Zunächst hat der Geburtstag in China einen wesentlich niedrigeren Stellenwert als im Westen. Auch wenn sich inzwischen westliche Formen des Geburtstag-Feierns verbreiten, ist es immer noch relativ ungewöhnlich, dass das Geburtstagskind zu einer größeren Party einlädt.

Geburtsdatum: Eine knifflige Sache

Bei der Ermittlung des genauen Geburtsdatums spielt der richtige Kalender eine entscheidende Rolle. Wird nach dem chinesischen Mondkalender gezählt, verschiebt sich der Geburtstag – im Verhältnis zum im Westen üblichen Gregorianischen Kalender – jährlich um einige Tage. Vor allem ältere Menschen bekamen nachträglich oft willkürlich einen Geburtstag im Gregorianischen Kalender verpasst. Bei diesem Durcheinander ist es ganz praktisch, dass eigentlich alle Chinesen an Neujahr automatisch ein Jahr älter werden.

Chinesische Babys sind den westlichen bei der Geburt zudem ein Jahr voraus: In China wird das Lebensalter bereits ab dem Zeitpunkt der Empfängnis gezählt. Wenn sie auf die Welt kommen, sind Chinesen also schon ein Jahr alt.

Party hard: Erst ab 60 lässt man es krachen

Ist die Geburt selbst noch ein wichtiger Grund zum Feiern, woraufhin eine einmonatige Feier für Babys mit Opfergaben für die Götter folgt, herrscht danach eine lange Party-Pause. Erst mit 60, wenn nach chinesischer Überzeugung der erste Lebenszyklus vollendet ist, darf ausgiebig gefeiert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte das Geburtstagskind die wichtigsten Lebensaufgaben aus den Bereichen Beruf und Familie gemeistert haben. Dies wird mit einem großen Fest zelebriert, meist ausgerichtet von den Kindern des Jubilars.

Ab 60 sind dann weitere Geburtstagsfeiern im Abstand von 10 Jahren üblich.

Vorsicht mit den Geschenken

Von einer Uhr sollte man als Geschenk auf jeden Fall absehen. Im Chinesischen ähnelt die Aussprache von eine Uhr geben der von einer Beerdigung beiwohnen – zweifellos kein gutes Omen für eine Geburtstagsfeier.

Hong Bao

Das klassische Geschenk für fast jeden Anlass in China: Der Hong Bao

Mit Blumen sollte man ebenfalls vorsichtig sein. Denn die werden hauptsächlich bei Trauerfällen übergeben. Auch ein Regenschirm geht als Geschenk gar nicht, denn die chinesische Aussprache klingt in etwa wie das Wort Trennung. Nichts falsch machen kann man hingegen mit einem Hong Bao, dem typischen mit Geld gefüllten roten Umschlag.

Richtig grüßen

Fehlt nur noch der richtige Gruß. Wünschen sich Chinesen alles Gute zum Geburtstag, so sagen sie: Shēngrì kuàilè! (生日快乐!)

 

Text: Rosi Bach