Von Braindrain zu Braingain: Chinas Auswanderer kehren zurück

Seit Jahren steigt die Zahl chinesischer Auslandsstudenten stetig. Dadurch verlor China viele Talente. Doch jetzt kehren immer mehr hochqualifizierte Chinesen in die Heimat zurück – vor allem weil die Regierung die Rückkehr massiv fördert.

China_Haigui

In China nennt man die Rückkehrer hǎiguī (海归). Weil das wie hǎiguī (海龟, Meeresschildkröte) klingt, verwendet man die Schildkröte gerne als Metapher. / Foto: ukanda (Flickr)

Laut einer neuen Statistik des chinesischen Bildungsministeriums gehen immer mehr Chinesen ins Ausland für ein Studium, vor allem in die Industrieländer. Waren es 1999 circa 20.000 Studenten, beläuft sich die Zahl im Jahr 2014 schon auf 460.000.

Seit Jahren befürchtet China den Verlust seiner Talente. Doch dürfte die neue Statistik der Regierung in Peking einen gewissen Trost spenden.

Demzufolge kehren bis Ende 2014 insgesamt 1,8 Millionen Uni-Absolventen nach China zurück. Damit überholt die Zahl der Rückkehrer zum ersten Mal die Zahl der noch im Ausland lebenden 1,7 Millionen Akademiker. Eine Millionen der sogenannten Haigui (海归) kamen allein in den letzten drei Jahren zurück.

Noch Anfang der 90er wollten die meisten Studenten nach ihrem Abschluss weiter in ihren Gastländern bleiben. Damals war vor allem die Greencard begehrenswert – und die Heimreise war eigentlich ausgeschlossen.

Peking macht die Rückkehr schmackhaft

Neben dem schnellen wirtschaftlichen Aufstieg Chinas ist der Trend zur Rückkehr auch den jahrelangen Bemühungen der chinesischen Regierung zu verdanken. Seit mehr als drei Jahrzehnten lockt Peking seine ins Ausland ausgewanderten Talente mit vielen Vorteilen zurück in die Heimat.

Wer sein Studium in einem Industrieland absolviert, winkt zum Beispiel ein Hukou für Großstädte. Das ist vor allem für Akademiker interessant, die aus ländlichen Regionen kommen und ursprünglich nur über einen Land-Hukou verfügen. Außerdem kann man ein Auto aus dem Ausland zollfrei und steuerfrei importieren lassen. Ein Wunsch für viele, die beispielsweis einen echten BMW in Deutschland kaufen wollen, bevor sie in die Heimat zurückkehren.

Talente werden vor Ort abgeworben

In einer von jungen Chinesen überfüllten Halle findet eine Powerpoint-Präsentation statt. Sie hören konzentriert zu und machen sich Notizen. Doch hier findet keine Vorlesung statt. Stattdessen handelt es sich um ein typisches Event zur Anwerbung chinesischer Talente in westlichen Industrieländern – veranstaltet von Chinas Regierung.

Statt Professoren sprechen Regierungsdelegierte wie Provinzgouverneure oder Bürgermeister. Ihr Ziel ist es, die Talente mit Technik und Kapital nach China zu locken. So sollen sich ihre Städte und Provinzen zu High-Tech-Standorten entwickeln.

Vom Silicon Valley nach Hangzhou

Die Stadtverwaltung von Hangzhou organisierte vor kurzem in Silicon Valley einen ähnlichen Event. Im Hightech-Mekka der USA arbeiten tausende chinesische Ingenieure für Unternehmen wie Apple, Google und Facebook. Doch auch die chinesischen Studenten und Absolventen in der Region sollen angesprochen werden.

„Am Anfang haben wir eigentlich nur 100 Leute erwartet“, sagt einer der Veranstalter. „Aber ein paar Tage nach der Bekanntgabe der Veranstaltung waren über 300 Besucher angemeldet. Anschließend sind wir in eine größere Messehalle umgezogen.“ In der Folge seien immer mehr Leute aus ganz Amerika hinzugestoßen. Also beschlossen die Initiatoren, den Event auch nach Boston und New York zu bringen.

Nach den Veranstaltungen stehen die Besucher Schlange, um sich von den Entsandten der Stadtverwaltung beraten zu lassen. Meistens geht es darum, welche Anreize Hangzhou zu bieten hat.

Millionen für die Rückkehr

Auch chinesische Hochschulen zeigen großes Interesse an hochqualifizierten chinesischen Fachkräften mit internationalem Bildungshintergrund. So veröffentlicht Chinas Botschaft in Deutschland auf ihrer Website aktuelle Jobangebote chinesischer Universitäten. Die neuste Ausschreibung kommt von der Northwestern Polytechnical University (西北工业大学), die Ende Juni eine Jobmesse in München veranstaltet hat. Im Rahmen des sogenannten Eintausend-Talente-Programms (千人计划) lockt die Universität chinesische Doktoren und Spezialisten mit hohen Löhnen von 85.000 Euro bis 140.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen einmalig 200.000 Euro an weiteren Zuschüsse von der Hochschule und der Zentralregierung – und eine kostenfreie Wohnung.

Daneben gibt es Förderprogramme für chinesische Absolventen mit hervorragenden Leistungen. Dazu gehört auch der Chunhui-Plan (春晖计划). Absolventen können so auf fünf bis acht Mal höhere Löhne hoffen als üblich in der Heimat. Und auch sie bekommen eine mietfreie Wohnung gestellt.

Und um den Kontakt zu den begabtesten Sprösslingen gar nicht erst zu verlieren, erhalten die 500 talentiertesten Auslandsstudenten Stipendien in Höhe von 6.000 bis 10.000 US Dollar.

 

Text: Yong Yang