Auch in Deutschland: Verseuchte chinesische Lebensmittel

Mit Pestiziden verseuchte Lebensmittel – hierzulande für die meisten Verbraucher außerhalb dessen, was sie für möglich halten. Doch der Schein trügt. Lebensmittelimporte aus China bergen ein Risiko.

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80% der Äpfel für Apfeksaftkonzentrat aus China / Foto: United States Department of Agriculture

Lebensmittelskandale in China sind keine Seltenheit. Erst Ende letzten Jahres berichtete die taz über “Zu viel Cadmium im Reis”. Angesichts solcher Nachrichten zuckt der deutsche Leser vielleicht kurz zusammen und ist dankbar für die Lebensmittelsicherheit in Deutschland. Die Anteilnahme ist schnell verflogen, schließlich ist man selbst nicht betroffen. Doch das täuscht.

Nur ein Teil der in Deutschland konsumierten Lebensmittel wird hier produziert. Vielmehr kommen unsere Lebensmittel aus aller Herren Länder. Auch China nimmt eine zunehmend wichtigere Rolle als Lebensmittellieferant ein. Laut einem Bericht der ARD kommen 80 % der weltweiten Ernte für Apfelsaftkonzentrat aus China. Rund 62.000 Tonnen bereits verarbeiteter Tomaten wurden im letzten Jahr aus China nach Deutschland eingeführt. Pilze, Gewürze, Honig, Erdbeeren, Knoblauch und vieles mehr aus China landet in deutschen Supermarktregalen. Häufig wissen Verbraucher nichts über die Herkunft der Produkte, denn: Es besteht keine Kennzeichnungspflicht für verarbeitete Lebensmittel.

In Chinas Landwirtschaft wird mit so vielen Pestiziden wie nirgendwo sonst gearbeitet. Viele der dort eingesetzten Pestizide sind in Deutschland und der EU verboten. Zwar werden laut Greenpeace Ostasien bei der Produktion von Exportgütern weniger Schadstoffe eingesetzt, doch Boden, Luft und Wasser sind bereits stark verseucht. Die giftigen Stoffe sind folglich trotzdem in den Lebensmitteln zu finden.

Dies bestätigt auch die Liste der RASFF-Meldungen. Das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed) überwacht die Lebensmittelsicherheit in der EU. Es koordiniert die Warnhinweise nationaler Prüfstellen und leitet sie gegebenenfalls an andere Mitgliedsstaaten weiter. China war in den Jahren 2010, 2011 und 2012 mit 450 bis 540 Meldungen pro Jahr mit Abstand Erster auf der Liste. Zu beanstanden sind meist Pestizide, Schadstoffe und Keime.

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Die Verpackungen im Supermarkt täuschen / Foto: lazydanger (Flickr)

Verantwortung ist jedoch ebenfalls bei den Importeueren zu suchen. Ebenso ist die Kontrolle seitens der EU und der nationalen Behörden lückenhaft, wie der Spiegel bereits im Jahr 2012 berichtete. Die meisten Lebensmittel können ungeprüft nach Deutschland eingeführt werden.

Nicht zuletzt sollte man auch erst einmal vor der eigenen Türe kehren: Deutschland belegte trotz seiner geringen Größe in der Liste der RASFF-Meldungen Platz 4 mit zwischen 100 und 150 Meldungen pro Jahr. Es liegt damit vor den USA, Spanien, Italien und Thailand.

Text: Verena Weber