Urlaub in Pjöngjang

Zehntausende Chinesen machen jedes Jahr Urlaub in Nordkorea. Für das arme Land wird der Tourismus trotz rigoroser Abschattung mehr und mehr zum Wirtschaftsfaktor.

Pjöngjang beim Sonnenaufgang

Pjöngjang im Morgengrauen / Foto: Shih Tung Ngiam (Flickr)

Die Hauptattraktionen Nordkoreas, so weiß der beliebte Reiseführer Lonely Planet zu berichten, sind die „Isolation und Rückständigkeit“ des Landes. Ein paar Tausend westliche Touristen und zehntausende abenteuerlustige Chinesen scheint das nicht abzuschrecken. Sie reisen jedes Jahr über den Flughafen Pjöngjang oder mit dem Zug über die chinesische Grenzstadt Dandong in das Reich von Kim Jong-Un, um hier ihre Ferien zu verbringen.

Man lässt seine Freiheit an der Grenze zurück

Wobei der Begriff Ferien eine Tour durch Nordkorea nicht ganz trifft. Studienreise wäre wohl der passendere Ausdruck, einer Studienreise aber, bei der der Reisende seine Freiheit an der Grenze zurücklässt und sich ganz dem Diktat der Reiseleitung unterstellt. Denn als Tourist in Nordkorea ist man kaum freier als der Rest der Bevölkerung. Das Hotel eigenständig verlassen: Verboten. Mit den Menschen auf der Straße sprechen: Auf keinen Fall! Ein falscher Satz zu Kim Jong-Il: Ein Tag Hausarrest im Hotel.

Reisen durch Nordkorea sind perfekt durchchoreographiert, Abweichungen vom Plan unmöglich. Am Anfang jeder Tour steht Pjöngjang, die Hauptstadt, mit ihren Attraktionen wie dem beeindruckenden Juche-Turm, dem protzigen Triumphbogen oder der bronzenen Statue von Staatsgründer Kim Il-Sung, vor dem sich jeder, auch der Gast aus dem Ausland, in Demut zu Verbeugen hat. Weiter geht es über zumeist leere Autobahnen nach Süden, in die gespenstische entmilitarisierte Zone, der Grenze zu Südkorea, wo nur eine symbolische Linie die beiden noch immer verfeindeten Nationen trennt. Wer es sich leisten kann, bucht einen Flug zum Paektusan, dem mythologisch aufgeladenen Vulkanberg im Norden des Landes, an dem angeblich Kim Jong-Il das Licht der Welt erblickte, oder er besucht die Arirang-Massenspiele, bei denen zehntausende Protagonisten die Geschichte Koreas nachstellen.

„Wie das China der 70er“

„Nordkorea ist eines der geheimnisvollsten Länder der Welt“, erklärt Brooklyn die Faszination der chinesischen Touristen für das Land. Er muss es wissen: Der 32-jährige Chinese, der eigentlich Zhang Linxin heißt, begleitet im Auftrag der China Youth International Travel Company in Dandong seit acht Jahren chinesische Reisegruppen nach Nordkorea. „Die meisten reisen nur aus Neugier nach Nordkorea. Andere, wie die Generation meiner Eltern, möchten die Zeit, zu der sie jung waren, noch einmal erleben: Denn das Nordkorea von heute ist in etwa so wie das China der 70er, zur Zeit von Mao.“

Dass Nordkorea eine skrupellose Diktatur ist, die die Rechte ihrer Bürger mit Füßen tritt, scheint ihn dabei kaum zu stören: „Die meisten chinesischen Touristen kümmern sich nicht um Politik, sie interessiert vielmehr das Alltagsleben in Nordkorea.“

Hin und wieder nimmt Brooklyn auch ausländische Touristen mit auf seine Kurztrips nach Nordkorea. Vor allem seit der Machtübernahme durch Kim Jong-Un sei das viel leichter geworden, erzählt er: „Der Tourismus nach Nordkorea hat sich enorm entwickelt, seitdem der neue Führer das Land übernommen hat. Zuvor hat es einige Wochen und viel Papierkram gebraucht, bis westliche Touristen ein Visum für das Land erhielten. Heute dauert er nur noch eine Woche, bis eine Einreisegenehmigung ausgestellt ist, so wie es bei chinesischen Touristen schon lange der Fall ist.“

Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor

Reisen nach Nordkorea sind All-inclusive-Urlaube der Luxusklasse. Während das Volk darbt, gibt es für die Gäste aus China nur das Beste, das die koreanische Küche zu bieten hat. Genächtigt wird in einem der Luxushotels der Stadt, wie dem Yanggakdo, auch wenn Brooklyn seine Gäste vorwarnen muss, dass die Zimmer hier höchstwahrscheinlich verwanzt sind. Also nicht zu laut reden!

Richtig teuer ist ein Trip nach Nordkorea dennoch nicht – das Land ist arm, der Wechselkurs günstig. „Die meisten chinesischen Touristen sind ganz normale Durchschnittsbürger“ erklärt Brooklyn. Lediglich westliche Ausländer müssen etwas tiefer in die Tasche greifen; 100 Euro und mehr kostet ein Tag in Nordkorea. Denn auch wenn Kim Jong-Un den Westen verteufelt: seine Devisen steckt er sich gerne in die Taschen.

Arirang

Arirang-Festspiele / Foto: yeowatzup (Flickr)

Hast du jetzt Lust bekommen auf eine Reise nach Nordkorea? Brooklyn berät dich gerne. Du erreichst ihn und sein Reisebüro in Dandong am besten unter dprktour@gmail.com.

 

Text: Sven Hauberg