Tierschutz in China: Haifischflossen-Handel geht stark zurück

Der Tierschutz gewinnt auch in Chinas Gesellschaft immer mehr an Wichtigkeit. Während Tierschutzorganisation sich im Land schon länger für den Schutz bedrohter Arten einsetzen, reagiert die Regierung nun auch mit entsprechenden Gesetzen und Strafen.

Hai

Hai / Foto: StormyDog (Flickr)

Erfreuliche Nachrichten für chinesische Tierschützer: Laut WWF Hong Kong ist die Haifischflossen-Wiederausfuhr von Hong Kong nach Festland-China im letzten Jahr ungewöhnlich stark gesunken. Erstmals seit 2010 hat das Nachbarland Vietnam China als Spitzenreiter der größten Wiederausfuhr-Märkte Hong Kongs abgelöst. Die im Land tätigen Tierschutzorganisationen feiern das Ergebnis als ihren Erfolg.

Haifischflossen: Das Salz in der Hochzeitssuppe

In China gelten Körperteile gefährdeter Tiere häufig als Delikatessen oder sind Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Haifischflossensuppe. Sie soll appetitanregend wirken, die inneren Organe stärken, und sogar die Potenz steigern. Die kostspielige Speise wird bevorzugt zu Festbanketten oder Hochzeiten gereicht.

Auch wenn die Zahl der Brautpaare, die ein Hochzeitsmenü ohne Haifischflossensuppe wählen laut dem bekannten Hong Konger Hochzeitsplaner Tim Lau um mindestens 20 Prozent gestiegen ist, möchten einige nicht auf das Luxus-Gericht verzichten.

Haifischflossensuppe

Haifischflossen-Suppe / Foto: chee.hung (Flickr)

Dass für die Gewinnung der Haifischflossen in aller Regel die besonders grausame Fangmethode Finning zum Einsatz kommt, scheint für die Konsumenten keine Rolle zu spielen. Beim Finning werden den Fischen die Flossen abgeschnitten, woraufhin die noch lebenden Tiere zurück ins Wasser geworfen werden. Dies geschieht, um Platz auf den Booten zu sparen. Ohne Flossen sind die Haie jedoch nicht mehr in der Lage zu Schwimmen, sinken zum Meeresgrund, und sterben meist qualvoll. 

Haftstrafen von bis zu zehn Jahren für den Verzehr gefährdeter Tiere

Die chinesische Regierung versucht brutalen Jagdpraktiken neuerdings gegenzusteuern. 420 Tierarten werden in China seit Ende April als gefährdet oder vom Aussterben bedroht eingestuft. Die Liste umfasst beispielsweise Arten wie Riesenpandas, Goldaffen, Schwarzbären, oder Schuppentiere. Für den Verzehr dieser Tiere können ab sofort Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt werden. Bis zu drei Jahre Haft könnten Käufern illegal gejagter Tiere drohen, wenn sie von der gesetzeswidrigen Jagdmethode wussten.

Lang Sheng, Vizevorsitzender der Gesetzgebungskommission des Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses, erklärt diese Maßnahmen unter anderem damit, dass die starke Nachfrage der Käufer den Hauptanreiz für die illegale Jagd darstellt. 

Tierversuchsfreie Kosmetik- und Pflegeprodukte

Auch im Bereich der kosmetischen Industrie stehen Änderungen bevor. Ab Juni ist der Absatz in China produzierter Pflegeprodukte, wie etwa Seifen oder Shampoos, auch ohne vorherige Tests durch Tierversuche möglich. Allerdings sind hierfür bereits existierende Sicherheitsdaten der Inhaltsstoffe notwendig, oder gültige tierversuchsfreie EU-Tests erforderlich.

Während die Industrie eine Ausweitung der Regelungen auf Importprodukte anstrebt, haben Wissenschaftler und Tierschützer Bedenken, dass in der Praxis Schwierigkeiten bei der Umsetzung auftreten können. Denn die Suche nach alternativen Testverfahren wurde durch Chinas jahrelange Abhängigkeit von Tierversuchen behindert.

 

Text: Rosi Bach