Singles in China: Partnerzwang zum Frühlingsfest

Single zu sein ist ok in China – bis man 30 wird. Dann wächst der Druck von den Verwandten. So werden die großen Familientreffen am Frühlingsfest für viele zur Tortur.

Leftover Women in China

Chinas Singles haben es nicht leicht beim Neujahrsfest / Foto: blueclaret (Flickr)

Das chinesische Neujahrsfest ist der wichtigste Feiertag in China. Nach dem chinesischen Kalender beginnt das diesjährige Frühlingsfest am 19. Februar. Zum Fest treffen sich die in der Ferne arbeitenden Familienmitglieder wieder in ihrer Heimat. Die Zeit ist eigentlich fröhlich und entspannt. Doch für Manche kann das Zusammentreffen ein unangenehmes Erlebnis sein.

Die über 30-jährigen, die noch unverheiratet sind – vor allem die Frauen – werden von ihren Eltern bei dieser Gelegenheit angesprochen. Sie sollen schnell Partner finden und heiraten. Die „Zwangsheirat“ chinesischer Art stellt einen großen Druck dar, den viele nicht ertragen können. Sie haben deshalb Angst vor diesem eigentlich lang erwarteten Wiedersehen.

Im Kreuzverhör der Familie

Frau Zhong hat einen Doktortitel. Seit ihrem Studienabschluss vor einem Jahr arbeiet sie bei einem großen internationalen Konzern in Peking. Zwei Tage, nachdem sie für das Frühlingsfest in ihre Heimat kam, begannen die Fragen der Angehörigen: Hast du schon einen Freund gefunden? Was für einen Freund willst du eigentlich haben? Oder: Du bist nicht mehr jung, sei nicht so pingelig bei der Auswahl! Und ihr Großvater lässt sie wissen: „Wenn du nächstes Jahr immer noch keinen Freund nach Hause mitbringen kannst, wird sich dieses Kreuzverhör wiederholen.“

Für die 31-jährige gleicht das Zusammenkommen zum Frühlingsfest einer Strafe. So überlegt sie, ob sie nächstmal doch lieber zu Hause bleibt.

Proteste und Scheinpartner

Doch die vielen Singles bleiben nicht untätig. In Shanghai sind junge Damen vor dem diesjährigen Frühlingsfest auf der Straße gegangen, um gegen den Druck der Familien zu protestieren. Auf den Plakaten steht: „Mutti, frag mich während des Frühlingsfests nicht nach dem Heiraten! Ich will mein Glück selbst bestimmen.“ Eine Aktion, die landesweit für Schlagzeilen gesorgt hat.

Im Internet kursiert ein witziges Video mit dem Titel Anti-Zwangsheirat-Anleitung zum Frühlingsfest. Für fast jede Situation gibt es eine entsprechende Gegenmaßnahme. Gebildete Frauen wie Frau Zhong können ihren Eltern zum Beispiel fragen: „Warum habt ihr mir verboten einen Freund zu haben, als ich noch im Gymnasium oder an der Uni war? Und jetzt macht ihr Druck!“

Manche Chinesen greifen gar zu falschen Partnern. Um den Druck der Eltern und der Verwandten abzuwenden und das Frühlingsfest zu genießen, bringen manche Singles rein platonische Freundinnen oder Freunde mit nach Hause und tischen der Verwandtschaft einfach einen Schwindel auf. Und weil man sich in China mit Fake-Produkten auskennt, schlagen einige Geschäftsleute aus der Idee sogar Kapital. Sie vermieten die falschen Partner für rund 1.000 Yuan (140 Euro) pro Tag.

Einmischung ist Liebe

Betroffen sind aber nicht nur diejenigen, die keine Freundinnen oder Freunde haben. Auch diejenigen, die zwar eine Beziehung haben, jedoch noch nicht verheiratet sind, und diejenigen, die zwar verheiratet sind, jedoch noch keine Kinder haben, werden zum Thema unangenehmer Frühlingsfestdiskussionen bei Familien in ganz China. Die Verwandten glauben, dabei aus Liebe zu handeln. Für sie ist es keine Nötigung, sondern gutgemeinte Hilfe und Belehrung.

 

Text: Yong Yang