Reisegruppe der Superlative: 7.000 Chinesen in L.A

Eine 7.000-köpfige Reisegruppe – das geht nicht? Geht nicht, gibt’s nicht – zumindest nicht bei den Chinesen.

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Alle bereitmachen zum Gruppenfoto! / Foto: Netease

30 bis 40 Chinesen mit der gleichen Mütze auf dem Kopf folgen einer hoch gestreckten Fahne. Wer kennt das Bild nicht? Dass Chinesen gerne in Gruppen reisen, ist nun wirklich nichts Neues. Doch dass eine solche Reisegruppe auch gigantische Ausmaße annehmen kann, wissen die wenigsten.

Eine dieser Riesengruppen landete Ende Mai in Los Angeles. Sage und schreibe 7.000 Chinesen kamen in 86 Flugzeugen und checkten in 26 Hotels um die Stadt Anaheim ein. Die Teilnehmer sind allesamt Angestellte der Perfect (China) Company, einem Unternehmen das im Direktvertrieb von Gesundheitskost, Schönheitsprodukten und Haushaltswaren tätig ist. Zu den Aktivitäten gehörten Ausflüge nach LA, San Diego, Las Vegas und Disneyland. Außerdem wurde für alle 7.000 Teilnehmer ein riesiges Bankett im Kongresszentrum von Anaheim abgehalten.

So locken die Amerikaner chinesische Shopping-Touristen

Shopping-Touren durften auf dem Programm natürlich nicht fehlen. Denn Shopping ist für Chinesen die größte Reisemotivation. Sehr zur Freude der South Coast Plaza, einem Einkaufszentrum in Costa Mesa. Es durfte 34 Busse mit insgesamt 1.700 Teilnehmern der Reisegruppe empfangen und rollte ihnen sogar den roten Teppich aus. Häppchen und kostümierte Stelzenläufer sorgten für das leibliche Wohl und gute Laune.

Die South Coast Plaza hatte lange schon auf die Zielgruppe chinesischer Touristen gesetzt. Um diese anzulocken, akzeptierte es als erstes Einkaufszentrum in den USA Union Pay, richtete eine chinesische Internetseite ein und legte sich einen Weibo-Account zu. In einem Katalog veröffentlicht es neuerdings sogar die Luxusartikel, die das chinesische Top-Model Sun Fei Fei trägt.

Chinesische Gäste: ein Wirtschaftsfaktor für Kalifornien

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7.000 chinesische Touristen in L.A. / Foto: Netease

Auch Kalifornien setzt beim Tourismusmarketing auf chinesische Prominente. Die chinesische Schauspieler Gao Yuanyuan macht neuerdings Werbung für die Region. Doch damit nicht genug: Kalifornien legt sich für die chinesische Zielgruppe mächtig ins Zeug. Es eröffnete im letzten Jahr sein zweites Tourismusbüro in China und rief mit China Ready eine Platform ins Leben, auf der sich die kalifornische Tourismusbranche Ratschläge für dem Umgang mit chinesischen Kunden holen kann.

Die Mühe hat sich gelohnt. Jeder der 7.000 Teilnehmer gab rund 10.000 US-Dollar während des Besuchs aus. Insgesamt brachte die chinesischen Reisegruppe der Region um Anaheim rund 85 Millionen US-Dollar ein. Kein Wunder, dass Orange County alles dafür gab, seine chinesischen Gäste zu entzücken. „Das Ziel war es, die Chinesen so zu begeistern, dass sie nach Hause gehen und allen ihren Freunden erzählen, dass Orange County ein absolutes Must-see in den USA ist“, so die Tageszeitung Orange County Register.

Größer geht immer

Wer dieses Ereignis nun als einmalig abtut, liegt falsch. Auch wer glaubt, größer geht nicht, hat sich geirrt. In chinesischen Vertriebsunternehmen sind Reisen als Belohnung für besonders erfolgreiche Vertriebsangestellte durchaus üblich. Im April verbrachte eine mehr als doppelt so große Gruppe von 16.000 chinesischen Touristen 10 Tage in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Gesponsert wurde die Reise von Nu Skin, einem Direktvertrieb für Schönheitsprodukte.

 

Text: Verena Weber