Pink Run statt Parade: Homosexuelle feiern Shanghai Pride

Homosexuelle haben es in China nach wie vor schwer. Paraden dürfen sie keine feiern, daher müssen sie andere Wege finden, um für Toleranz und Gleichberechtigung zu kämpfen. Shanghai Pride ist Chinas größtes LGBT-Event. 

Shanghai-Pride

Homosexuelle Männer auf einem Shanghai-Pride-Event / Foto: kris krüg (Flickr)

Heute ist es wieder so weit: bereits zum sechsten Mal in Folge steigt Shanghai Pride, Chinas größtes LGBT-Event. Ein vielfältiges Programm erwartet die Besucher und Teilnehmer der neuntägigen Veranstaltung. Neben Podiumsdiskussionen wird es Theater- und Filmvorführungen sowie eine Foto- und Kunstausstellung zum Thema Love & Health geben. In diesem Jahr stehen die Themen gleichgeschlechtliche Ehe und Gesundheit im Vordergrund. Auch eine Reihe diverser Parties darf bei einem solchen Event natürlich nicht fehlen.

Eine Parade, so wie vielen anderen LGBT-Events üblich, gibt es jedoch nicht. Eine solche würde von den chinesischen Behörden nicht genehmigt werden. Stattdessen findet ein sechs Kilometer langer Pink Run durch die Innenstadt von Shanghai statt. Anschließend wird ein Pink BBQ gefeiert.

Fest für mehr Toleranz

In China müssen Homosexuelle noch immer hart um gesellschaftliche Toleranz und Akzeptanz kämpfen. Shanghai Pride ist ein wichtiger Meilenstein auf ihrem Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung. 2009 wurde Shanghai Pride zum ersten Mal gefeiert. Es war das erste Event seiner Art in Festlandchina und ist bis heute das größte in China. Organisiert wird es von ShanghaiLGBT und anderen NGO’s.

Ziel der Veranstaltung ist es, Homosexuellen ein Sprachrohr zu geben und ein gesellschaftliches Bewusstsein für Probleme in Zusammenhang mit Homosexualität zu schaffen. „Shanghai Pride ist ein Akt der Gemeinschaftsbildung. Wir wollen Brücken zwischen Homo- und Heterosexuellen bauen und so Homosexuellen helfen, sich zu outen“, so die amerikanische Co-Organisatorin Tiffany Lemay im Jahr 2009.

Akzeptanz in Shanghai am größten

Shanghai ist die liberalste Stadt Chinas. Homosexuelle genießen hier bereits relativ hohe Toleranz verglichen mit dem restlichen China. Insgesamt haben Homosexuelle jedoch schwer mit gesellschaftlicher Intoleranz zu kämpfen. Bis 2001 galt Homosexualität in China noch als Geisteskrankheit. Eine Studie zeigte kürzlich, dass sich dies auch auf die psychische Gesundheit Homosexueller auswirkt. In China erkranken Homosexuelle häufiger an Depressionen als andere Bevölkerungsgruppen.

Shanghai Pride ist ein Versuch dies zu ändern. Immer mehr NGOs, Gruppen und Organisationen kämpfen für die Anerkennung und die Rechte Homosexueller in China. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch bis sich Chinas patriarchalisch geprägte Gesellschaft wirklich geöffnet haben wird, bedarf es noch vieler Jahre harter Arbeit.

 

Text: Verena Weber