Mit dem Fahrrad durch China XIV: Die letzten Tage auf dem Rad

Für ihr Projekt Chinacrossing durchqueren Melanie und Sebastian China mit dem Fahrrad. Weil die Bedingungen immer beschwerlicher werden, beenden die beiden nun ihre Reise dort, wo China vielleicht am schönsten ist: in Yangshuo.

Yangshuo-Karstberge

Die Karstberge von Yangshuo

Wie lange Finger ragen die bizarren Karstberge aus der grünen Ebene um Guilin. Unter mir saust der Asphalt vorbei. Es ist unsere erste Fahrt in der flachen Ebene, seit wir die großen Wüsten verlassen haben. Der stete Fahrtwind lässt mich vergessen, dass es tropisch feucht-heiße 33 Grad hat. Die Landschaft ist unglaublich!

Tuuuuutttt! Ein Bus hat genau neben mir einen LKW auf der linken Seite überholt und die beinahe Kollision reißt mich jäh aus meinen Gedanken. Die Straßen sind schlecht und überfüllt hier im Süden, so nah an den großen wirtschaftlichen Zentren des Landes. Darunter leidet auch die Luft und es braucht ständige Konzentration auf den Straßenverkehr.

Karst Away in Yangshuo

Reisfelder

Reisfelder und Karstberge

Nach einer anstrengenden Fahrt erreichen wir am frühen Nachmittag schließlich Yangshuo. Zwischen steilen und dicht beieinander stehenden Zacken liegt die Stadt an zwei breiten Flüssen im satten Grün der Reisfelder und Bambushaine. Wir können sofort verstehen, warum hier eines der Tourismuszentren Chinas liegt.

Unzählige voll klimatisierte Ausflugsschiffe kreuzen von hier ständig den Li Fluss hinauf und herunter entlang der beeindruckendsten Karstformationen der Welt. Dazwischen treiben kleine Bambusflöße mit bunten Schirmen und am Ufer grasen Wasserbüffel. Wem das All Inclusive der großn Reisegruppen zu viel ist und es aktiver mag, für den bleiben Wandern, Klettern, Kajak oder Radfahren.

Yangshuo-Nacht

Yangshuo bei Nacht

Ja, wenn von Guilin die Rede ist, ist meist doch Yangshuo gemeint. Um den Ort herum, versteckt zwischen den rauen Hügeln, liegen einige der exklusivsten Ressorts des Landes und die gesamte Innenstadt ist ein chinesischer Urlaubstraum: Bars, exklusive Restaurants (darunter auch zwei mit deutscher Küche und Bier), bunte Marktstände und Fressbuden. Wir fühlen uns ein wenig an die Kanaren erinnert. Aber es macht Spaß und ist interessant durch das nächtliche Gedränge zu schlendern. Vom Sommerkleid bis hin zum Laserpointer bieten fliegende Händler hier fast alles an.

Die letzten Tage auf dem Fahrrad

Trotz der beeindruckenden Fahrt hierher, haben wir beschlossen, dass diese Etappe unsere letzte bleiben wird. Der Verkehr ist uns zu dicht und die Luftverschmutzung zu extrem. Mehrfach haben uns Einheimische eindringlich gewarnt, ab hier nur noch mit Atemschutz weiter zu fahren, wenn wir noch bis nach Guangzhou wollten, und wir sehen einfach zu viele Unfälle. Auch wenn wir unsere Magen-Darm-Infektion nach 3 Wochen nun scheinbar endlich auskuriert haben, fehlen nun die Kraft und die Zeit für eine Weiterfahrt. Daher nehmen wir nun den Bus.

Umso mehr genießen wir es, die Umgebung ohne Gepäck auf unseren Drahteseln zu erkunden. Manchmal müssen wir noch immer über uns selbst lachen. Wir hatten uns doch tatsächlich vorgestellt, hier nach fünf Monaten immmer noch einsam durch die idyllische Landschaft zwischen Reisfeldern und Karstbergen auf Erkundungstour gehen zu können. Stattdessen gibt es Reisegruppen auf Fahrrädern und fliegende Händler, wo man hinschaut. Ok, so ist es nunmal hier.

Neubauviertel

Große Straßen für große Ziele

Das Hostelzimmer teilen wir uns mit hippen Leuten aus Beijing, die schon mit dem Fahrrad in Tibet waren und hier nun klettern und Skateboard fahren. Wir genießen das Sightseeing auf Chinesisch mit Snacks und Schopping, und letztlich finden wir doch die ein oder andere ruhige Ecke mit atemberaubender Kulisse für uns. Yangshuo wird mit Sicherheit eines der Highlights der Reise bleiben und keine Chinareise ist vollkommen ohne einen Besuch hier – egal wie touristisch es ist.

 

Text & Fotos: Melanie & Sebastian von Chinacrossing.