Mit dem Fahrrad durch China XII: Karstberge, Reishüte und Hundefleisch

Für ihr Projekt Chinacrossing durchqueren Melanie und Sebastian China mit dem Fahrrad. In der Provinz Guizhou lernen die beiden ein China wie aus dem Bilderbuch kennen – Hundefleisch auf dem Markt inklusive.

Bauboom-Guizhou

Bauboom in Guizhou

Guizhou ist schon jetzt eine unserer chinesischen Lieblings-Provinzen: Fingerhutförmige Karstberge, breite Ströme, leuchtend grüne Reisterrassen, lichte Wälder, grasende Wasserbüffel, bezaubernde Dörfer und unglaublich nette Menschen.

Im Schneckentempo

Mit einem neuen Visum in der Tasche brechen wir nach einer Woche in Guiyang auf. Inzwischen hat die Regenzeit eingesetzt und wir radeln bei angenehmen 25 Grad dem 600 Kilometer entfernten Guilin entgegen.

Karstberge

Die ersten Karstberge

Die Hauptstraße ist zu unserer Überraschung in einem ziemlich schlechten Zustand. Der häufige und heftige Regen verwandelt die Straße von einem Augenblick zum anderen in eine Matschpiste oder spült sie teilweise weg. Immer wieder geraten wir in knöcheltiefen Schlamm und kommen nur noch im Schneckentempo voran. Zudem windet sich die Straße wie eine Schlange in endlosen Kurven und Kehren um und über die Karstberge. Der Weg ist beschwerlich.

Herzlich Willkommen!

Nach einem langen Tag auf dem Rad und mit viel Bergauf und Bergab erreichen wir schließlich unser Tagesziel. „Herzlich Willkommen in Guiding!“, begrüßt und schon am Ortseingang lächelnd und winkend ein Mann. Wir verbringen den Abend schlendernd am Flussufer. Zahlreiche Marktstände wurden aufgebaut. Die Händler verkaufen Spielzeug, Süßigkeiten und Luftballons.

Dorf-Südchina

 

Altes Dorf

Wir entscheiden uns für eines der zahlreichen Restaurants. Wir haben uns Bier mitgebracht (Ja, das darf man. Ist China nicht cool?) und setzen uns an einen Tisch, in dessen Mitte eine gusseiserne Pfanne eingelassen ist, die von unten mit einer Gasflasche beheizt wird. Wir bestellen verschieden Gemüse- und Fleischarten, die der Koch vorgegart und gewürzt in unsere Pfanne gibt. Es dampft, zischt, brutzelt und riecht unglaublich gut. Schnell wollen wir noch unser Bier öffnen, um anzustoßen. Als ich unseren Tischnachbarn frage, ob wir uns seinen Flaschenöffner ausleihen dürften, fällt er aus allen Wolken. „Das ist ja ganz unglaublich! Wir wollten Euch schon ansprechen, aber wir dachten ihr würdet uns nicht verstehen. Wow, toll! Kommt, setzt Euch zu uns und stoßt mit uns an!“

Ehe wir uns versehen, sitzen wir mit einer großen Gruppe am Tisch und trinken einen Bier-Shot nach dem anderen – Bier trinkt man hier nämlich wie in Deutschland Schnaps. Immer wieder werden wir herzlich in Guiding willkommen geheißen und wir haben den Eindruck, sie sind stolz wie Schnitzel, dass in ihre kleine Stadt tatsächlich einmal Besucher gekommen sind.

Ein Gespür für den Regen

Gut zu wissen, dass wir hier so nett willkommen geheissen werden, denn Guizhou ist nichts für Radler in Eile. Bisher sind wir gut durchgekommen, aber am nächsten Tag entlädt sich der (fast) immer graue Himmel mit aller Wucht.

Fluss-Guizhou

Unberührte Natur in Guizhou

Wir sitzen fest. Es dauert ganze drei Tage, bis die Gewitter wieder vorüber gezogen sind. Dabei erstaunt uns immer wieder, wie genau die Bewohner der Region doch abschätzen können, wie heftig der Regenguss wohl werden wird. Häufig, wenn wir vor den dicken Tropfen unter ein Dach fliehen, scheint sich sonst keiner an ihnen zu stören und schwups, der Regen ist gleich wieder vorbei. In anderen Fällen regnet es kaum merklich und schlagartig sind alle verschwunden. Uns fällt dies jedoch erst auf, wenn uns der heftige Guss voll erwischt. Da fehlt uns wohl einfach das rechte Gespür für den Regen. Aber diese Gabe ist vermutlich bitter nötig in einer Region, in der es fast immer tropisch regnet.

Markttag

Doch die Regenpause hat auch etwas Gutes: Wir erreichen Kaili rechtzeitig zum großen Sonntagsmarkt. Kaili ist das kulturelle Zentrum und die Hauptstadt der Miao (einer weiteren südchinesischen Minderheit) und selten haben wir einen so bunten und lebendigen Markt erlebt. Die gesamte Stadt ist in Jahrmarktsstimmung: Die Alten tragen ihre beste Tracht, Kinder spielen auf den Straßen und von Nah und Fern kommen Besucher und Händler herbei. Reishüte liegen neben Sensen und Geschirr für die Wasserbüffel.

Wunderheiler-Markt-China

Wunderheiler auf dem Markt von Kaili

Miao-Händler bieten traditionelle bunte Stickereien und feinen Silberschmuck an. Auf den Plätzen bewerben Wunderheiler und Kräuterkundige lautstark ihre Dienste und Tinkturen. Auf diesem Markt bestätigen sich fast alle chinesischen Klischees. Ja, sogar Hundefleisch haben wir gefunden. Frisch geschlachtet neben Schweinekoteletts und Hühnerhälsen ist es nur für uns Ausländer ein ungewöhnlicher Anblick. Auch wenn es im Großteil Chinas verpönt ist, ist Hund hier im armen Sünden das Landes noch weit verbreitet. Alles in allem muss sich der riesige Markt nicht vor den Märkten Zentralasiens verstecken. Zudem war der Markt zu unserer Überraschung frei von westlichen Touristen mit übergroßen Kameras. Ein wahrer Geheimtip!

Hundefleisch

Hundefleisch auf dem Markt

Text & Fotos: Melanie & Sebastian von Chinacrossing.