Mit dem Fahrrad durch China VI: Goldene Klöster und endlose Weiten

Für ihr Projekt Chinacrossing durchqueren Melanie und Sebastian China mit dem Fahrrad. Auf dem Weg in das Hochland von Tibet treffen die beiden auf pompöse Klöster und Mönche mit kostspieligen Smartphones in teuren westlichen Autos.

Der ständige Begleiter auf der Tour: Schnee

Auch ein regelmäßiger Begleiter der Reise: Schnee

Es regnet, als wir Xiahe verlassen. Ein fieser, feiner Sprühregen, der auf 2.900 Metern halb gefroren auf uns herabfällt. Wir müssen auf der Hauptstraße bleiben, da der Regen die kürzere Nebenstrecke in eine üble Schlammpiste verwandelt hat.

Auch unsere teure Regenausrüstung erweist sich leider nur als bedingt wasserfest; nach nur drei Stunden hat es der Regen durch die Gore-Tex Membran der North Face Jacken geschafft. Deprimiert und durchnässt zelten wir auf einem Feld am Wegesrand. Die Nacht bringt wieder fünf Zentimeter Neuschnee.

Hezuo

Wir müssen lange warten, bis es die Sonne an diesem Morgen durch die Wolken schafft und unser Zelt vom Schnee befreit. Nass und erkältet fahren wir in die Regionalmetropole Hezuo. Laufende Nasen, Husten und Fieber; wir suchen uns ein Hotel und schlafen aus.

Der Buddha Palast in Huezo

Der Palast Buddhas in Huezo

Hezuo ist das Musterbild einer chinesischen Regionalmetropole im Wirtschafts- und Bauboom der letzten zehn Jahre und besteht fast gänzlich aus prunkvollen Neubauten. Naben diesem neuen Gesicht beherberg die Stadt jedoch auch ein zauberhaftes tibetisches Kloster. Der Palast Buddhas, ein neun Stockwerke hoher Tempel, bildet das Herz dieses lebendigen Pilgerortes. Das Wetter spielt mit und wir sind begeistert vom Charme und der Schönheit des Bauwerks.

Goldene Klöster

Doch nicht nur die Stadt ist im Bauboom, auch das Kloster baut an, aus und um. Generell scheint das religiöse Leben in Amdo im Augenblick aufzublühen. Jeder noch so kleine und arme Ort, durch den wir kommen, baut im Moment an Tempeln, Stupen oder Klöstern. Auch die Zahl der Mönche in den Klöstern erreichte in den letzten Jahren ein neues Hoch.

Das Tor des buddhistischen Klosters in Huezo

Das Tor vom Palast Buddhas in Huezo

Als wir in Tongren das Kloster besuchten, fuhr ein neuer weißer Buick um Haaresbreite an Mellie vorbei, zog vor uns in eine Parklücke und ein Mönch stieg aus. Er war schwer mit seinem iPhone beschäftigt und hatte uns wohl deshalb übersehen. Das iPhone ist sehr verbreitet unter den Mönchen und wer keines hat, hat zumindest ein anderes Smartphone.

Auch ausländische Autos scheinen unter den höher gestellten Mönchen ein wichtiges Statussymbol zu sein und so bleibt der Mönch im weißen Buick kein Einzelfall. Es ist ein harter Kontrast zwischen den wohlgenährten Mönchen in ihren schönen und sauberen ochsenblutroten Roben, mit ihren Smartphones und teuren Wägen und den nicht endenden Strom an armen, schmutzigen Pilgern. Wir haben selten so viele mangelernährte Kinder gesehen wie hier. Viele Familien wohnen zu fünft oder sechst in einem Haus mit nicht mehr als 15 Quadratmetern. Bei aller Schönheit der Klöster, können wir einfach nicht ausblenden, dass es nicht zuletzt diese Menschen sind, die diese pompösen Sakralbauten errichten und für den Unterhalt der Klöster selbstlos spenden.

Endlose Weiten

Hochland in Tibet

Yaks und Schafe auf der tibetischen Hochebene

Von Hezuo sind es nur zwei kleinere Pässe, dann sind wir in den endlosen Weiten der tibetischen Hochebene auf 3.500 Metern. Sanfte Hügel und weite Grasebenen voll von Yaks und Schafen als weiße und schwarze Punkte soweit das Auge reicht. Aber auch hier jede Nacht das gleiche Spiel: Sturm und Schnee. Es war ein mühsamer Weg bis Ruoergai. Doch wir haben ein Ziel vor Augen: In 100 Kilometern verlassen wir die Hochebene. 25 Grad erwarten uns dort und der Nachtfrost hat ein Ende. Subtropen, wir kommen!

 

Text & Fotos: Melanie & Sebastian von Chinacrossing.