Interview mit Chinas Bayern-Fanclub: FC Bayern, Stern des Ostens

Das chinesische Staatsfernsehen zeigt fast alle Spiele des deutschen Rekordmeisters live. Das freut nicht nur die Marketing-Abteilung des FC Bayern, sondern auch Gong Lei. Der junge Chinese gründete 2012 den China-Fanclub des FC Bayern München.

FC Bayern Fanclub China

Gong Lei vom FC Bayern Fanclub in China / Foto: Wang Bo (21China)

Herr Gong, wie sind Sie zum Bayern-Fan geworden?

Gong Lei: Ich habe 2001 zum ersten Mal wirklich Fußball geschaut. Damals gewannen die Bayern die Champions League. Danach wurde ich zum richtigen Bayern-Fan.

Spielen Sie selbst Fußball?

Gong Lei: Ich habe nie selbst gespielt, ich schaue nur sehr gerne zu.

Was brachte Sie auf die Idee für den Fanclub?

Gong Lei: Ich habe mir irgendwann eine chinesische Website gewünscht, auf der sich Bayern-Fans austauschen und die neuesten Nachrichten über den Club lesen können. Ich verfügte über einige Erfahrung im Webdesign und startete die Seite 2008. Mittlerweile haben wir über 50.000 registrierte Nutzer. Vier Jahre später erklärte ich den Offiziellen der Bayern, dass ich basierend auf der Homepage einen Fanclub für chinesische Bayernfans gründen wollte. In München ist man sehr interessiert daran, den chinesischen Markt zu erschließen, und so wurde mir jede Unterstützung zugesagt.

Woher bekommen Sie die Inhalte für die Website?

Gong Lei: Die Marketing-Abteilung des FC Bayern versorgt uns mit allen relevanten Bildern und Videos. Zudem bekommen wir von ihnen ständig Nachrichten über Mannschaft und Verein zugeschickt.

Sie betreiben den Fanclub also recht professionell.

Gong Lei: Wir sind sehr gut organisiert. In Peking liegt unser Hauptquartier, hinzu kommen Zweigstellen im ganzen Land.

Wo wohnen die meisten Mitglieder?

Gong Lei: In Peking haben wir 100 Mitglieder, landesweit sind es 750. In Guangzhou, Shanghai und Chengdu sind wir auch stark vertreten.

Schauen die Fanclub-Mitglieder in den Städten gemeinsam die Spiele?

Gong Lei: Nicht immer, aber manchmal planen wir richtige Public Viewings.

Wo schauen Sie selbst die Spiele?

Gong Lei: Meistens schaue ich die Spiele zuhause. Aber wenn es ein Event gibt, gehe ich auch gerne dort hin. Hin und wieder schaue ich die Spiele auch mit Freunden in einer Bar. In einer Gruppe macht es natürlich immer mehr Spaß.

Haben Sie schon einmal ein Spiel in Deutschland im Stadion erlebt?

Gong Lei: Nein, noch nicht. Aber meine Freundin wird 2015 zum Studieren nach Deutschland fahren, und in dieser Zeit möchte ich auf jeden Fall ein paar Spiele sehen.

Was halten Sie von den Plänen, Pflichtspiele deutscher Mannschaften in China auszutragen?

Gong Lei: Man denkt darüber nach, zunächst den Supercup nach China zu bringen. Ich denke, dass ist eine gute Idee. Hier in China gibt es viele fanatische Bayern-Anhänger. Auch aus strategischer Sicht wäre das gut für alle Bundesligavereine. Die Italiener sind den Deutschen zum Beispiel noch voraus, weil sie Pioniere am Markt waren. Bereits in den 90er Jahren kamen Spiele der Serie A hier live im Fernsehen. Und die Spanier tragen ihren Supercup auch bald in China aus.

Interessiert Sie auch der chinesische Fußball?

Gong Lei: Früher einmal, aber jetzt verfolge ich nur den FC Bayern und die Bundesliga.

Warum schlägt Ihr Herz gerade für den deutschen Fußball?

Gong Lei: Ich interessiere mich generell für das Land und seine Menschen. Ich mag die deutsche Kultur und auch die Geschichte. Außerdem finde ich Sportler wie Stefan Effenberg oder Oliver Kahn faszinierend.

Wie heißen Ihre derzeitigen Lieblingsspieler?

Gong Lei: Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller.

Verfolgen Chinesen auch die Welt- und Europameisterschaften?

Gong Lei: Auf jeden Fall, genauso wie die europäischen Pokalwettbewerbe. Dazu gibt es fünf nationale Ligen, welche die Chinesen interessieren: die englische Premier League, die italienische Serie A, die französische Ligue 1, die spanische Liga und die deutsche Bundesliga.

In welcher Konkurrenz steht Fußball zu anderen Sportarten?

Gong Lei: Fußball ist wirklich sehr beliebt, gleich gefolgt von Basketball. Die Chinesen sind sehr gut im Tischtennis und im Badminton, weshalb diese Sportarten auch gerne gesehen werden. Doch egal wie beliebt eine Sportart ist, in China werden sich bei 1,3 Milliarden Menschen für jede einzelne sehr viele Anhänger finden.

Herr Gong, vielen Dank für das Gespräch.

 Zum Interviewpartner: Gong Lei, 29, ist Hauptvertreter des China Fanclubs des FC Bayern München und wurde in Jiangxi in der Provinz Nanchang geboren. Gong studierte Chinesisch in Shanghai. Seit 2011 lebt er in Peking und arbeitet dort als Sportjournalist für das Internetunternehmen NetEase. 

 

Interview: Verena Weber & Adrian Kummer