Hunderte Dalai-Lama-Gegner wollen in Frankfurt demonstrieren

Morgen kommt der Dalai Lama nach Frankfurt. Dem Westen gilt Seine Heiligkeit als moralische Instanz des unterdrückten tibetischen Volkes. Dass unter seine Ägide auch buddhistische Strömungen unterdrückt werden, weiß jedoch kaum jemand.

Dalai Lama

Tendzin Gyatsho, der 14. Dalai Lama / Foto: Christopher Michel (Flickr)

Tausende Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet freuen sich dieser Tage auf den anstehenden Besuch des 14. Dalai Lama. Seine Beliebtheit stützt sich in Deutschland auf die zunehmende Beliebtheit der buddhistischen Philosophie im Westen, aber auch auf das Mitgefühl vieler Deutscher mit dem von China unterdrücken tibetischen Volk.

Doch nicht alle wollen sich über den hohen Besuch freuen. Rund 400 Buddhisten und Tibeter werden während der Veranstaltungen in Frankfurt demonstrieren, um auf die „Menschenrechtsverletzungen“ des Dalai Lama aufmerksam zu machen.

Diese schweren Anschuldigen stammen nicht etwa aus der Pekinger Propagandazentrale, sondern von der International Shugden Community (ISC). Seine Heiligkeit bringe Leiden über Millionen von Buddhisten weltweit, so heißt es in einer offiziellen Bekanntmachung.

Buddhisten werden wegen ihres Glaubens unterdrückt

Die ISC ist eine Dachorganisation der buddhistischen Shugden-Praktizierenden, die den Schutzgott Dorje Shugden verehren. Seit Mitter der 90er Jahr verbietet der 14. Dalai Lama dessen Verehrung jedoch, obwohl Buddhisten schon seit hunderten Jahren zu ihm beten.

Das Verbot führte zu schweren Diskriminierungen buddhistischer Glaubensbrüder. Tausende Mönche und Nonnen wurden in den letzten Jahren gewaltsam aus ihren Klöstern vertrieben. Gläubige Tibeter werden bedroht und systematisch aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Der ISC spricht von einer „Verfolgungskampagne“, die bis nach Deutschland reiche. Die tibetische Exilregierung erklärte diesen März sogar alle Menschen mit Glauben an Shugden per Dekret zu „Kriminellen“.

„Keine wirkliche Meinungsfreiheit“

„In der tibetischen Exilgemeinschaft gibt es keine wirkliche Meinungsfreiheit“, sagt ISC-Deutschland-Sprecher Markus Rehnert. „Kritische Äußerungen über den Dalai Lama werden auf verschiedene Weise bestraft und jede Form von Opposition unterdrückt. Jede Bitte um Dialog wurde in der Vergangenheit vonseiten des Dalai Lama ignoriert.“

Der Dalai Lama rechtfertige das Glaubensverbot zudem mit teils absurden Argumenten, unter anderem dass die Praxis von Dorje Shugden sein Leben verkürze und den Unabhängigkeitsbestrebungen des tibetischen Volkes schade.

Darum fordert Rehnert den Dalai Lama dazu auf, „seinen Standpunkt zu revidieren, und sein diskriminierendes Verhalten zu beenden.“ Und weiter: „Unser Ziel ist einzig und allein den Dalai Lama dazu zu bringen, sein widersinniges Verbot der Shugden-Praxis endlich aufzuheben und somit Frieden und Harmonie für Millionen Menschen in der buddhistischen Gemeinschaft wiederherzustellen.“