Hot on Weibo #24: Chinas bekanntester Gutmensch in der Eistonne

Multimillionär Chen Guangbiao setzte sich für eine halbe Stunde in die Eistonne und brachte die #ALS Ice Bucket Challenge so auf ein neues Niveau. Chinas Netzgemeinde vermutet hinter der Aktion reines Selbstmarketing.

Seit einigen Wochen ist die Ice Bucket Challenge auch in China angekommen. Doch genau wie bei uns stößt die Charity-Aktion, bei der sich mehr oder weniger Prominente einen Eimer Eiswasser über den Kopf kippen, um so Spenden für die Opfer der Nervenkrankheit ALS zu sammeln, auf immer mehr Kritik.

Dafür verantwortlich ist wohl auch die jüngste Aktion des Multimillionärs und selbst ernannten Philantropen Chen Guangbiao. Um es besser als seine Ice Bucket-Kollegen aus aller Welt zu machen, legte dieser sich mal eben eine halbe Stunde in die Eistonne. Sein Versprechen: Für jede Person, die es schafft, länger als er in der Eistonne zu verharren, spendet er eine Millionen Yuan an die ALS-Opfer.

 

Reaktionen der Weibo-Gemeinde: Alles nur Show?

Viele Weibo-Blogger sind begeistert von Chens Engagement. So auch @ LiLiabby, die glaubt, dass sich andere Ice Bucket Challenge-Teilnehmer ruhig mal eine Scheibe von ihm abschneiden könnten:

„Wenn man sich das anschaut, wie kann man da andere Aktionen noch als Ice Bucket Challenge bezeichnen? Bruder Ge ist der Beste! Ich liebe Bruder Ge!“

Andere Mikroblogger sehen in Chens Aktion dagegen nur eine große Show, die rein dem Selbstmarketing dient. @ LEO liu ge:

„Chen Guangbiao macht mich wirklich krank. Er hat kein bisschen was von einem Philantropen. Selbst wenn er nur zwei Yuan gespendet hat, muss er das die ganze Welt gleich wissen lassen. Darüber kann man wirklich nur lachen.“

In den vergangenen Tagen kamen sogar Zweifel an der Echtheit der Aktion auf. So glauben einige Weibo-User, dass die Eiswürfel in Wahrheit synthetisch sind, da diese ins Wasser sanken statt auf der Oberfläche zu schwimmen. Andere merkten wiederum an, dass kein Mensch es überleben würde, 30 Minuten in einer Eistonne zu verbringen. Chen Guangbao dementierte diese Vorwürfe jedoch.

Leidet der selbsternannte Philantrop am Größenwahn?

Die Zweifel an der Echtheit von Chens Show hängen wohl auch mit der Vergangenheit Chens zusammen. Denn die Ice Bucket Challenge ist nicht die erste philantrope Aktion des Millionärs. Chen liebt die mediale Aufmerksamkeit und versucht mit allen Mitteln, aus seiner Person einen modernen Helden zu machen. So plante er Anfang dieses Jahres beispielsweise, 1.000 Obdachlose in New York zum Essen einzuladen und jedem 300 Dollar zu schenken – ein Versprechen, das er nicht einhielt. Beim Erdbeben in Sichuan 2008 soll er – wohlgemerkt nach eigener Aussage –  insgesamt mehr als 200 Leichen eigenhändig geborgen haben. Und Ende 2013 kündigte er an, die New York Times kaufen zu wollen  was sich abermals als reiner Marketing-Gag rausstellte.

Dass Chen selbst am meisten von seiner Gutmenschlichkeit überzeugt ist, zeigt auch seine Visitenkarte. Auf dieser bezeichnet er sich selbst unter anderem als „Einflussreichste Person Chinas“, als „Charismatischsten Philanthropen Chinas“ sowie als „Moralischen Führer Chinas“.

 

Text: Lisa Niklas