Hot on Weibo #19: Ärger nach Taifun-Katastrophe in Südchina

In China starben wegen des Taifuns Rammasun bislang 46 Menschen, Hunderttausende wurden obdachlos. Nun beschweren sich Chinas Netzbürger über die mangelhafte Berichterstattung der Medien und die schlechte Katastrophenhilfe der Regierung.

Weibo Gammelbrot_artikelbild

Dieses schimmlige Brot wurde an die Opfer des Taifuns Rammasun auf Chinas Tropeninsel Hainan verteilt / Foto: Weibo

Für Südchina war es der schlimmste Taifun seit vier Jahrzehnten: Insgesamt sind vier südchinesische Provinzen betroffen. Von den 46 Todesopfern lebten allein 30 auf der Tropeninsel Hainan. Den lokalen Behörden wird nun vorgeworfen, bei der Katastrophenhilfe versagt zu haben.

Weibo-Blogger @ xiao niao zai tian bian tiao wu hat seine eigene Meinung dazu:

„Der Taifun ist jetzt fünf Tage her und immernoch haben zahlreiche Haushalte in der Provinzhauptstadt Haikou weder Wasser noch Strom! Die Katastrophenhilfe der Regierung ist wirklich desaströs!“

Brot-Skandal: Chinas Netizens ärgern sich über lokale Behörden

Ein kleiner Skandal in der Katastrophenhilfe wurde vor ein paar Tagen von einem chinesischen Blogger publik gemacht: Die lokalen Behörden sollen etwa 200 Bauern aus der Stadt Wenchang mit verdorbenem Brot versorgt haben. Zwar hat der Leiter des Büros für zivile Angelegenheiten in Hainan, Ma Jianzhong, den Vorfall bereits bestätigt, sich offiziell entschuldigt und betont, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden – Chinas Netizens kann das jedoch kaum beruhigen.

@ LJ-ing jing regt sich über das Vorgehen der Regierung auf, bei dem ihrer Meinung nach immer die kleinen Beamten beschuldigt werden, während die „großen Fische“ unbehelligt bleiben:

„Jedes Mal ist es das Gleiche! Nachdem ein Skandal aufgedeckt wurde, entschuldigt man sich einfach und beschuldigt ein oder zwei kleine Beamte. Unser Land ist doch in einem abnormalen Status! Wann wird sich diese Situation endlich ändern?“

MH17-Katastrophe für die Medien wichtiger als Chinas Taifun-Opfer?

Aber Chinas Weibo-Gemeinde regt sich nicht nur über das verantwortungslose Verhalten der lokalen Behörden auf. Auch die wenige Berichterstattung in den Medien stößt bei Vielen sauer auf.

@ xiao long xiao fei beschwert sich darüber, dass dem Absturz der MH17 in der Ostukraine in den chinesischen Medien mehr Platz eingeräumt wird als der Katastrophe unter den eigenen Landsleuten:

„Die Provinz eines Landes ist nicht das gleiche wie ein einziges Flugzeug. Alle beobachten nur Malaysia Airlines und niemand denkt an unsere leidenden Mitbürger in Hainan, CCTV berichtet nicht nach den Fakten und in der Regierung zeigt auch kein Mensch Interesse.“

Auch @kanonair wundert sich über die wenige Empathie für die eigenen Leute:

„Manche Leute behaupten, dass es die Katastrophe nicht zur Lead Story in den Medien gebracht hat, weil so etwas mehrmals jährlich passiert und die Leute deshalb solcher Geschichten müde sind. Solche Leute können mich mal! Die betroffenen Menschen sind unsere Mitbürger! Ihnen mangelt es an Wasser, Lebensmitteln und Strom. Überleben ist ein ständiges Problem. Wie kann man das mit einem kleinen Flugzeug vergleichen?“

 

 Text: Lisa Niklas