Gewalt und Sex: Im chinesischen TV bald nur noch für Erwachsene?

FSK 16, FSK 18 – in China gibt es bislang keine offiziellen Altersfreigaben für Filme und Serien. Das könnte sich bald ändern.

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Mit dem Bus durch China zu fahren ist aus mehreren Gründen ein Abenteuer für sich. Da sind zum einen die Sitznachbarn, die wahlweise entweder Hühnerfüße knabbern oder stinkenden Tofu naschen. Und dann sind da natürlich noch die im Bus verteilten Fernsehbildschirme, über die – wahlweise ohrenbetäubend laut oder viel zu leise – Filme und Seifenopern laufen. Ob Horrorfilm oder blutiger Historienstreifen – nicht immer ist das, was man dort zu sehen bekommt, aber für Kinder geeignet. Zu stören scheint das meist niemand. Zumindest im Fernsehen und im Kino könnte das bald anders werden – hier sollen Altersbeschränkungen für Filme und Serien eingeführt werden.

Auslöser der aktuelle Diskussion ist der Streit um „Die Kaiserin von China“, eine historische Seifenoper über Wu Zetian, Kaiserin der Tang-Dynastie. Nach Beschwerden, die Serie sei für Kinder nicht geeignet, musste sie umgeschnitten werden, um weiter im Fernsehen gezeigt werden zu können. Vor allem auf Weibo sorgte das für einen Sturm der Entrüstung, zumal die Serie weniger freizügig wurde. Sollten Fernsehsendungen in Zukunft von vorneherein nur für gewisse Altersgruppen freigegeben werden, würde sich das Problem nicht mehr stellen.

Die Pläne der Zensurbehörde

Denn die Pläne der chinesischen Zensurbehörden sehen vor, alle Fernsehserien in drei Kategorien einzuteilen: „nicht geeignet für Minderjährige“, „geeignet nur in Begleitung Erwachsener“, und „geeignet für alle Altersgruppen“. Für Minderjährige nicht geeignete Sendungen sollen dann später am Abend ausgestrahlt werden.

“Erwachsene haben das Recht, zu sehen, was sie wollen!”

„Wir müssen die Gesundheit und das Wohlbefinden von Minderjährigen schützen“, so Chen Xinxin von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. „Gleichzeitig haben Erwachsene das Recht, zu sehen, was sie wollen. Das jetzige Bewertungssystem für Fernsehserien hat es nicht geschafft, zwischen diesen beiden Interessen einen Ausgleich zu schaffen“. Mit dem neuen System soll sich das ändern. Der Schritt könnte es auch ausländischen Produzenten leichter machen, ihre Serien nach China zu verkaufen. Denn diese hätten dann Klarheit darüber, was sie in China zeigen können und was nicht.

Auch in chinesischen Kinos gibt es bislang keine offiziellen Altersfreigaben. Ein System, das wie die deutsche FSK funktionieren würde, existiert in China nicht. Deswegen haben die Kinobetreiber selbst die Initiative ergriffen. Schon 2012 kündigte die erste Kinogruppe an, nicht mehr jeden in Filme zu lassen, die eigentlich für Erwachsene sind. Andere Betreiber zogen nach. Bis sich jedoch bei jedem die Einsicht durchsetzt, das nicht jeder Film auch für Kinder geeignet ist, wird es wohl noch eine Weile dauern. Und noch entscheiden die Busfahrer selbst, welchen Film sie ihren Gästen während der Fahrt zeigen wollen.

Text: Sven Hauberg / Foto: gothopotam bei flickr.com