Finger-Trap-Test: Welche Schönheitsideale haben Chinesen?

Schönheit liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sondern manchmal auch in den Fingern der Betrachteten. Das behauptet zumindest der Finger-Trap-Test aus China. Grund genug für uns, euch mit den gängigen chinesischen Schönheitsidealen vertraut zu machen.

Schoenheit-China

Chinesische Schönheit / Foto: Jakob Montrasio (Flickr)

Bin ich schön? Diese Frage ist für die meisten Chinesinnen genauso wichtig wie für westliche Frauen. Ein neuer Schönheits-Test made in China soll darüber sekundenschnell Auskunft geben. Auch Männer können mit der sogenannten Finger-Trap-Methode ermitteln, ob ihre Gesichtsproportionen dem ästhetischen Ebenmaß entsprechen.

In den letzten Wochen hat sich der Finger-Trap-Test über Weibo rasant verbreitet. Zahllose Postings und Selfies von meist weiblichen Finger-Trap-Testern machen dort die Runde. Inzwischen ist der Test auch in westlichen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter ein Thema. Und so geht’s: Einfach den ausgestreckten Zeigefinger an Nase und Kinn legen. Berühren die Lippen dabei den Zeigefinger, ist das der angebliche Beweis für Attraktivität. Ein kleiner Trost für alle, die den Test nicht bestehen: Ihr befindet Euch in prominenter Gesellschaft. Glaubt man den Test-Ergebnissen, sind selbst Stars wie Angelina Jolie, Jessica Alba oder Prince Williams Frau Catherine keine Schönheiten.

Social-Media-Hype oder gefährliches Schönheitsideal?

Vom Hype um Finger-Trap sind viele der westlichen Internet-User eher amüsiert. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die vor der zweifelhaften Wirkung solcher Schönheits-Regeln auf Jugendliche warnen.

Allerdings scheint der Test wirklich auf ästhetischen Prinzipien zu basieren. Der amerikanische Kieferorthopäde Robert Ricketts beschrieb in den 1950er-Jahren die Merkmale eines „ansprechenden Profils“. Seiner Aussage nach lägen die Lippen idealerweise zwischen zwei und vier Millimetern hinter einer von Kinn zur Nasenspitze gezogenen Linie.

Facekinis und Bleichcreme für den Porzellan-Teint

Treffen sich an Chinas Stränden Pussy-Riot-Anhängerinnen in Badekleidung? Natürlich nicht. Aber vielleicht hat sich das schon mancher Westler beim Anblick Facekini tragender Chinesinnen gefragt. Die Erklärung ist einfach: Die auf uns relativ skurril wirkenden Gesichtsmasken sollen die Haut vor Sonne schützen. Denn ganz anders als im Westen gilt helle Haut in China traditionell als eines der wichtigsten Schönheitsideale.

Facekini

Voll im Trend: Der Facekini für einen blassen Teint / Foto: facekini.us

Während bei uns der Trend zu gebräunter Haut nach wie vor anhält, würden Chinesinnen für einen Porzellan-Teint fast alles tun. Im Alltag schützen sie sich häufig mit Sonnenschirmen vor UV-Strahlung. Doch viele chinesische Frauen greifen für hellere Haut zusätzlich zu kosmetischen Mitteln. Dementsprechend findet Bleichcreme im Reich der Mitte reißenden Absatz, selbst wenn manche der Inhaltsstoffe möglicherweise gesundheitsgefährdend sein können.

Tattoos und Piercings nicht so angesagt wie im Westen

Nicht nur Sonne ist auf chinesische Haut unerwünscht. Auch Tattoos sind in der Volksrepublik weit weniger verbreitet als bei uns. Das könnte daran liegen, dass Tätowierungen in China auch heutzutage noch oft mit der Unterwelt oder dem Gefängnis in Verbindung gebracht werden – und obwohl die Chinesen auf eine lange Tattoo-Tradition zurückblicken können, betrachten sie Tätowierungen mittlerweile eher als japanisches Phänomen.

Andere Formen der Körpermodifikation, wie beispielsweise Piercings, haben in China ebenfalls keinen so breiten Zuspruch wie im Westen. Womöglich ist einer der Gründe für diesen Umstand, dass der Individualismus in unserer westlichen Gesellschaft wesentlich stärker ausgeprägt ist.

Schönheits-Operation als Status-Symbol

Das grundlegende Bedürfnis nach Veränderung und Optimierung des Körpers besteht bei Chinesen indessen schon. Laut der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (Isaps) lag China im Jahr 2011 mit rund 6,4 Millionen Schönheits-Operationen auf Platz 3 der weltweit durchgeführten Schöhnheits-OPs, hinter den USA und Brasilien. Die Top 3 der häufigsten Eingriffe in China belegten laut Isaps Fettabsaugung, Brustvergrößerung und Nasenkorrektur.

Anders als bei uns müssen Chinesen die Durchführung einer Schönheits-Operation jedoch nicht schamhaft verschweigen. Im Gegenteil: In der Volksrepublik darf eine Schönheits-OP durchaus offensiv kommuniziert werden. Nicht jeder kann sich solch einen Eingriff leisten, demzufolge wird die Operation mit einem Statussymbol gleichgesetzt.

Mit der „Eifellturm-Nase“ Karriere machen

Für eine Schönheits-Operation sprechen in China also nicht nur ästhetische Gründe. Der Eingriff kann ein entscheidender Faktor für die Karriere sein. Gerade auf dem umkämpften Arbeitsmarkt für chinesische Akademiker spielt, neben fachlichen Kompetenzen, ein attraktives Äußeres eine immer stärkere Rolle. Deshalb sind viele Studenten bereit, sich fürs berufliche Fortkommen unters Messer zu legen.

Besonders beliebt sind aktuell die Eiffelturm-Nasen des Schönheitschirurgen Wang Xuming aus Chongqing – inspiriert von der formvollendeten Ästhetik des französischen Wahrzeichens. Unter diesen Voraussetzungen wird der Boom der plastischen Chirurgie in China sicher auch in den kommenden Jahren anhalten.

 

Text: Rosi Bach