Ein Chinese in Taiwan – Teil 4: Die Taiwanfrage

Unser chinesischer Autor Yong Yang erfüllte sich dieses Jahr einen großen Traum. Er reiste zum ersten Mal nach Taiwan. Im letzten Text seiner vierteiligen Serie zieht er sein Fazit.

tai2Straßenszene in Taipeh / Foto: demon jah bei flickr.com

Vereinigung mit dem Festland oder Unabhängigkeit? Mit den Meinungen der Taiwaner zu diesem Thema beschäftigte ich mich in den letzten Tagen meiner Reise. Die meisten konnten mir diese Frage nur schwer beantworten. Man könne ja nicht vorhersehen, wie sich die Volksrepublik weiterentwickeln würde. Worauf sich die meisten Taiwaner aber einigen können: Die Menschen beider Seiten seien Zhonghua minzu (中华民族), also das Volk der chinesischen Nation im Sinne der Kultur.

Keine Vereinigung, keine Unabhängigkeit, kein Krieg

Taiwaner, die Demokratie und Freiheit sehr schätzen, akzeptieren das Hong-Kong-Modell Ein Land, Zwei Systeme für Taiwan nicht. Hong Kong habe keine echte Demokratie und Peking schränke Hong Kongs Freiheiten zunehmend ein. Die meisten Taiwaner wollen ihre Souveränität mit der Republik China weiter behalten. Doch nur wenige streben nach einer unabhängigen Souveränität unter dem Namen Taiwan. Das entspricht auch der Festlandpolitik der KMT-Regierung in Taipei: Keine Vereinigung, keine Unabhängigkeit und kein Krieg.

Was ich gelernt habe

Im ersten Text dieser Serie schrieb ich: „Für mich bedeutete Taiwan immer Offenheit, Fortschritt, Moderne und Reichtum.“ Doch Taiwans wirtschaftlicher Vorsprung gegenüber China ist nach der langen Zeit der Öffnungspolitik Pekings verschwunden. Die bunten Bilder der taiwanischen Seifenopern, das schöne moderne Leben mit Rockmusik und Pepsi-Cola ist mittlerweile auch in China Alltag geworden. Dennoch hat mich die Insel in vielen Punkten beeindruckt: Die Mentalität und Gewissenhaftigkeit ihrer Menschen, die gut erhaltene chinesische Kultur mit all ihren Traditionen, ihr Demokratie- und Freiheitsverständnis.

Hier könnt ihr Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Serie nachlesen.