Die anderen 100: die alternative Forbes-Liste

Die Fortune 500, die Forbes-Liste, der Bloomberg-Milliardärs-Index – Listen der Superreichen gibt es zahlreiche. Statt das Augenmerk auf die Minderheit der Superreichen zu richten, beschäftigt sich die Liste “der anderen 100″ mit übersehenen Schicksalen.

Die anderen 100 ist ein Foto-Projekt, das einen Gegenentwurf zur Forbes-Liste darstellt. Es geht darum den Kampf, die Errungenschaften, die Hoffnungen und Wünsche ebenso wie die Träume und Ziele gewöhnlicher Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Das Buch zeigt Menschen aus aller Welt.

Mit dabei sind auch einige junge chinesische Pärchen, die in den Vororten Shanghais leben und ihren Lebensunterhalt als Fabrikarbeiter verdienen. Sie kommen meist aus den ländlichen Regionen Chinas und sind sogenannte Wanderarbeiter. Geringe Löhne und das Hukou System erschweren ihnen den Zugang zu guten Wohnungen und sozialer Sicherung. Häufig können sie ihre Kinder nicht selbst aufziehen, sondern müssen sie zu den Großeltern aufs Land schicken.

In den ländlichen Regionen Chinas kommt es auch heute noch oft vor, dass die Eltern Ehepartner für ihre Kinder aussuchen. Bei Sympathie wird geheiratet. Oft auch schon bevor die Kinder das offizielle Heiratsalter (Frauen: 20; Männer: 22) erreicht haben. Viele junge Paare haben jedoch kein Geld für Hochzeitsfotos. Der Fotograf Jia Daitengfei machte deswegen zum Valentinstag nachträglich kostenlose Hochzeitsfotos für die jungen Paare an ihrem Arbeitsplatz. Sechs Monate später besuchte er die Paare noch einmal, um zu erfahren, wie sich ihr gemeinsames Leben verändert hat. Hier drei der Geschichten.

 

Qianqian & Guang

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Xia Guang und seine Frau Li Qianqian (beide 24 Jahre alt) kommen aus der Provinz Sichuan und arbeiten in der gleichen Fabrik. Im Mai 2012 heirateten sie und bekamen kurz darauf einen Sohn, der im Oktober 2011 an einer Lungenentzündung starb. Noch immer wiegt der Verlust schwer. Derzeit möchten sie in Shanghai bleiben und hoffen auf ein weiteres Kind.

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Ein halbes Jahr später haben die beiden die Klage gegen das Krankenhaus, in dem ihr Sohn starb, aufgegeben und Qianqian war wieder schwanger.

 

Lijun & Hongbin

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Li Hongbin und seine Frau Du Lijun kommen beide aus der Prozinz Sichuan. Sie lernten sich über Bekannte kennen und lebten in Songjiang, einem Stadtbezirk von Shanghai. Sie wünschen sich Glück für ihre ganze Familie.

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Ein halbes Jahr später waren sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Sie mussten ihr Kind bei Verwandten zurücklassen und ertrugen es nicht länger, von ihm getrennt zu sein. Obwohl ihnen nur ein Raum zum leben bleibt, sind sie jetzt wieder glücklich vereint.

 

Zhimin & Guanfu

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Chen Guanfu kommt aus Shandong, seine Frau Lin Zhimin kommt aus Sichuan. Sie lernten sich über Klassenkameraden kennen und heirateten 2012. Sie träumen davon, eines Tages nach Sichuan zurückkehren zu können.

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Sechs Monate später ist Zhimin alleine in Shanghai. Ihr Mann Guanfu arbeitet jetzt in einer anderen Fabrik, wo er zwar mehr verdient, aber nicht mehr bei seiner Frau sein kann.

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Die anderen 100 ist eine Fotosammlung aus 158 Ländern von über 1500 Fotografen. Das Buch ist hier erhältlich. Die Erlöse kommen zum Teil den Menschen im Buch zugute und gehen an soziale Organisationen, die gesellschaftliche Probleme und globale Ungleichheit bekämpfen. Das Projekt ist eine Initiative des Global Institute for Tomorrow, einer unabhängigen sozialen Organisation mit Sitz in Hong Kong. 

Text: Verena Weber / Fotos: Jia Daitengfei