Denkmal für jüdische Flüchtlinge in Shanghai eröffnet

Shanghai galt im zweiten Weltkrieg als einer der letzten Zufluchtsorte für jüdische Flüchtlinge. Zur Erinnerung an sie eröffnete das Shanghai Jewish Refugees Museum am Mittwoch ein Denkmal mit den Namen von über 13.000 Flüchtlingen.

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Das Shanghai Jewish Refugees Museum will die Erinnerung an die jüdischen Flüchtlinge in Shanghai wachhalten. Foto: Harvey Barrison (Flickr)

Das Denkmal besteht aus einer 34 Meter langen Mauer, die insgesamt 13.732 Namen von jüdischen Flüchtlingen enthält. Eine Statue aus sechs Figuren, die die sechs Millionen im Holocaust getöteten Juden repräsentieren sollen, ergänzt diese.

Entworfen wurde die Gedenkstätte vom chinesischen Künstler He Ning. Die Idee dazu entstand bereits 2002. Damals erfuhren er und Chen Jian, Kurator des Shanghai Jewish Refugee Museum, von einem Treffen ehemaliger jüdischer Flüchtlinge in San Francisco, das abgesagt werden musste, da die meisten der ehemaligen Flüchtlinge bereits gestorben waren. „Ich war deswegen sehr traurig.“, so Chen. „Es schien uns falsch, die Geschichte zusammen mit den Menschen aussterben zu lassen.“

Shanghais Liste

Also stellten sie eine Liste mit den Namen der Flüchtlinge zusammen und benannten diese  – in Anlehnung an Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ – in „Shanghais Liste” um. Hilfe bei der Zusammenstellung der Namen bekamen sie auch von ehemaligen Flüchtlinge und deren Angehörigen – unter anderem von der Deutschen Sonja Mühlberger, die in den 30er Jahren als Tochter von jüdischen Flüchtlingen in Shanghai geboren wurde und Co-Autorin des Buches Exil Shanghai. Jüdisches Leben in der Emigration 1938-1947 ist.

Shanghai 1938: Der letzte Zufluchtsort für europäische Juden

Nach dem Scheitern der Evian-Konferenz von 1938, nach der klar wurde, dass die meisten Länder nicht bereit dazu sind, jüdische Immigranten aufzunehmen, blieb Shanghai einer der letzten Orte, in die die Juden visafrei einreisen konnten. So wurde die Stadt zu einem der wichtigsten Zufluchtsorte für die europäischen Juden: Etwa 20.000 von ihnen lebten bis Kriegsende im „Shanghaier Ghetto“, dem heutigen Stadtbezirk Hongkou, zusammen. „Meine Eltern machten sicherlich nicht die leichtesten Erfahrungen in Shanghai. Aber wenn sie hier keine Zuflucht gefunden hätten, wäre ich heute nicht am Leben und hätte auch nicht die Chance gehabt, diese Geschichte zu erzählen.“, so Mühlberger.

 

Text: Lisa Niklas