Dalai Lama in Deutschland: Zwischen Kritik und Begeisterung

Fast 4.000 Menschen verfolgten gestern den Auftritt des Dalai Lama in der Frankfurter Fraport Arena. Doch nicht alle waren begeistert: Proteste und kritische Fragen trübten den Besuch des Friedensnobelpreisträgers.

Dalai Lama

Seine Heiligkeit bei einem Auftritt in den USA / Foto: Christopher.Michel (Flickr)

Im Rahmen seiner Europa-Reise ist der Dalai Lama derzeit in Frankfurt am Main zu Gast. Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter besucht die Main-Metropole auf Einladung des Tibethauses Deutschland vom 13. bis 16. Mai.

Während seines Aufenthaltes hält er drei öffentliche Vorträge, in denen er die thematischen Schwerpunkte Ethik, Mitgefühl und Selbstbewusstsein behandeln will. Wie bei all seinen Reisen sucht der Dalai Lama den Dialog mit dem Westen, um die tibetische Kultur zu vermitteln und bewahren zu können.

Dabei gibt sich das spirituelle Oberhaupt der Tibeter wie gewohnt ungezwungen und humorvoll, bezeichnet sein Ansinnen auf der Pressekonferenz scherzhaft als „Selbstvermarktung“. Kein Wunder, schließlich besucht der Medienprofi Deutschland bereits zum 40. Mal.

Regierungsvertreter zurückhaltender als bei früheren Besuchen

Anders als beim letzten Besuch des Dalai Lama im Jahr 2011 ist der offizielle Rahmen allerdings deutlich bescheidener. Einen Empfang in der hessischen Regierungszentrale wird es dieses Mal nicht geben. Stattdessen trafen sich der Dalai Lama und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zu einem privaten Gespräch im Tibethaus. Auch das öffentliche Zusammentreffen mit Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann heute in der Paulskirche wurde erst kurzfristig angekündigt.

Extremer war die Situation jedoch letzte Woche in Norwegen: Dort wurde sogar offen kommuniziert, dass ein Staatsempfang für den Dalai Lama diplomatische und wirtschaftliche Probleme mit China zur Folge haben könnte.

Doch auch in Deutschland gab es Gegenwind – allerdings nicht von Seiten der Regierung. Im Vorfeld des Dalai Lama-Aufenthalts hatten sogenannte Shugden-Buddhisten Protestaktionen angekündigt. Tatsächlich fanden in der Nähe des Hotels des 78-jährigen und im Umfeld der Fraport Arena Demonstrationen statt. Die Vorwürfe der Demonstranten, die Schugden-Praxis zu unterdrücken und ihre Religionsfreiheit einzuschränken, versuchte der Dalai Lama jedoch mehrfach zu entkräften. 

Zwischen Kritik und Begeisterung

„Um Mitgefühl auszuüben, muss man Selbstbewusstsein entwickelt haben.“ Dieses Zitat des Dalai Lama war gleichzeitig auch eine der Kernbotschaften seines gestrigen Vortrages vor rund 4.000 Anhängern in der fast ausverkauften Fraport Arena.

Die Besucher durften im Anschluss des Vortrages ihre Fragen an den Dalai Lama richten. So durfte der Friedensnobelpreisträger gelassen eine tibetisch-buddhistische Erklärung des Urknalls liefern, aber auch seinen detaillierten Tagesablauf schildern.

Doch im Publikum fanden sich auch kritische Stimmen: Eine Frage verwies auf das Schicksal von 200 tibetischen Kindern, die in den 60er-Jahren als Waisenkinder in die Schweiz kamen, jedoch teilweise noch Elternteile in Tibet hatten. Außerdem wurde ein unerwünschter Zwischenrufer nach kurzer Zeit vom Sicherheitspersonal aus der Halle geführt.

Zu den heutigen Veranstaltungen mit dem Dalai Lama haben nur geladene Gäste Zutritt. Am Vormittag spricht er mit etwa 800 Schülern über ethisches Denken und Handeln. Im Anschluss findet eine von Gerd Scobel moderierte Diskussionsrunde mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann und dem Frankfurter Philosophen Prof. Rainer Forst zum Thema Ethik jenseits von Religion statt.

 

Text: Rosi Bach