Chinas Einzelkinder verteidigen die Ein-Kind-Politik

Seit den frühen 80er Jahren gilt in China die Regel: nur ein Kind pro Familie. Nun will die Regierung die Ein-Kind-Politik lockern. Doch sie hat die Rechnung ohne die verwöhnten Einzelkinder gemacht.

Familie-Peking

Familie in China: Vater, Mutter, Kind / Foto: Daniel Case (Wikimedia Commons)

Seit 2014 lockert China seine „Ein-Kind-Politik“. Wenn bereits einer der Elternteile geschwisterlos ist, dürfen die Paare ein zweites Kind haben. Doch die seit mehr als 30 Jahren eingeführte Politik hat tiefe Spuren in der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder hinterlassen.

Als Einzelkinder genießen die Söhne und Töchter dieser Generation größte und exklusivste Aufmerksamkeit in der Familie. Eltern und Großeltern kommen den Forderungen der Kleinen zur Genüge nach, denn sie haben ja nur dieses eine Kind. Die verwöhnten kleinen Kaiser bestimmen das Leben der Familie mit allem, was dazu gehört. Mittlerweile müssen Eltern ihre Kinder nicht selten fragen, ob sie denn nicht noch ein Kind haben dürfen.

Die kleinen Kaiser wollen keine Geschwisterchen haben

Wie das Wuhaner Abendblatt berichtet, drohte eine 13-jährige Tochter aus Wuhan ihrer schwangeren Mutter mit Selbstmord, falls diese das Baby wirklich bekommen sollte. „Sie ist die Prinzessin in unserer Familie und sehr verwöhnt“, sagte die Mutter. „Von klein auf ist sie schon so eigenwillig und weiß, wie sie ihren Willen durchsetzen kann. Seit ich von meiner erneuten Schwangerschaft wusste, drohte sie mit dem Sprung vom Balkon.“ Am Ende brach die 44-Jährige ihre Schwangerschaft ab.

Familienplanung-China

“Familienplanung” für eine wohlhabende, mächtige Nation / Foto: Lori Scott (Flickr)

Derart extreme Reaktionen sind keine Einzelfälle. In Changchun setzte ein achtjähriges Kind seine Eltern mit einem Hungerstreik unter Druck, weil diese ein zweites Kind haben wollten. In Shenyang war ein fünfjähriges Kind mit dem neuen Bruder so unzufrieden, dass es aus dem Elternhaus zur Großmutter geflohen ist.

Eine Mutter, die noch ein Kind plante, schloss mit ihrer Tochter sogar einen Vertrag: Auf dem Papier steht, sie werde ihre Tochter für immer lieben. Eine Idee, der unzählige Eltern folgen.

Zwei-Kinder-Politik kommt in Betracht

Die in den späten 70er Jahren eingeführte Ein-Kind-Politik soll das rapide Wachstum des bevölkerungsreichsten Landes der Welt bremsen. Doch sie betrifft nicht jeden. Damit es genug Arbeitskräfte auf dem Land gibt, dürfen Bauernfamilien ein zweites Kind haben, falls ihr erstes ein Mädchen ist. Auch die in China lebenden 55 Minderheiten wie Tibeter oder Uiguren sind von der Regel befreit. Sie dürfen so viele Kinder bekommen, wie sie möchten.

Allerdings bringt die Ein-Kind-Politik einige Nebenwirkungen mit sich, die immer deutlicher werden. So führt die niedrige Geburtsrate zu einer Knappheit in der Rentenkasse.

Im Durchschnitt bringt zurzeit jede chinesische Frau nur noch 1,55 Kinder zur Welt (in Deutschland liegt die Zahl bei 1,41). Damit hat China eine der geringsten Geburtenraten der Welt. Vor diesem Hintergrund wurde die Lockerung der Ein-Kind-Politik vorgenommen. Auch weil die verwöhnten Einzelkinder egozentrisch und unkooperativ sind, werden die Stimmen immer lauter, die eine allgemeine Zwei-Kinder-Politik fordern.

 

Text: Yong Yang