China diskutiert über ein Verbot von Zigarettenwerbung

In keinem anderen Land der Welt wird so viel Tabak konsumiert wie in China. Jetzt diskutiert das Land ein generelles Verbot von Zigarettenwerbung.

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Raucher in China / Foto: Ernie (flickr.com)

China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde, weswegen es wenig überrascht, dass es hier mehr Raucher gibt als sonst wo auf der Welt. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO rauchen rund 300 Mio. Chinesen – jede dritte Zigarette weltweit wird somit in China konsumiert. An der Bevölkerungszahl alleine liegt es also nicht, dass China Spitzenreiter beim Tabakkonsum ist. Der Grund hierfür ist vielmehr, dass Rauchen gesellschaftlich weit mehr akzeptiert ist als in anderen Staaten. Mehr als die Hälfte aller chinesischen Männer raucht – in Deutschland etwa greift nur ein Drittel der Männer zum Glimmstengel.

Eine Millionen Tote – jedes Jahr

Die Konsequenzen sind verheerend: Laut Berechnungen der WHO stirbt alle 30 Sekunden ein Chinese an den Folgen des Tabakkonsums – das sind rund 1 Millionen Tote jedes Jahr. Auf der anderen Seite füllen die vielen Raucher die Staatskassen: die Tabakindustrie steuert rund 7 bis 10 Prozent zu den gesamten Steuereinnahmen des Landes bei.

Der Staat ist also zumindest finanziell auf seine rauchenden Bürger angewiesen. Deswegen sind Initiativen, die den Tabakkonsum beschränken wollen, eher selten. Erst seit 2011 ist es in China etwa verboten, in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern zu rauchen. Durchgesetzt hat sich das Verbot allerdings noch längst nicht überall – nicht selten sieht man in den Wartezimmern von Krankenhäusern Patienten ungeniert ihrer Sucht nachgehen. Zwar hat die chinesische Regierung 2005 das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs unterzeichnet – es soll weltweit den Tabakverbrauch eindämmen helfen, unter anderem durch deutliche Warnhinweise auf Zigarettenschachteln – doch mit der Umsetzung tut sich China schwer.

Kommt ein generelles Verbot von Tabakwerbung?

Jetzt aber wird ein Punkt des WHO-Übereinkommens wieder diskutiert: ein generelles Verbot von Tabakwerbung. Mitglieder des Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses debattieren seit heute über eine entsprechende Änderung eines Werbegesetzes. Angestoßen hatte die Diskussion eine Gruppe von Abgeordneten. Sie wollen Zigarettenwerbung an bestimmten Orten und in bestimmten Medien verbieten.

Anderen geht das aber nicht weit genug. Sie fordern ein Verbot ohne Wenn und Aber, so dass der Tabakindustrie keine Schlupflöcher offen gelassen werden. „Wir empfehlen einen Zusatz zum Werbegesetz, um sicherzustellen, dass das finale Gesetz ein komplettes, durchsetzbares Verbot von Tabakwerbung, Promotion und Sponsoring beinhaltet“, so Bernhard Schwartlander, Repräsentant der WHO in China. Doch selbst wenn eines Tages tatsächlich ein generelles Verbot von Tabakwerbung kommen sollte – eine flächendeckende Umsetzung dürfte wie immer nur schwer erreichbar sein.

 

Text: Sven Hauberg