CCTV Consumer Rights Day Gala: Deutsche Automobilhersteller müssen zittern

Der 15. März ist der World Consumer Rights Day. Das nimmt das chinesische Staatsfernsehen CCTV alljährlich zum Anlass für eine große TV-Gala, mit der internationale Marken der Konsumententäuschung überführt werden. Dieses Jahr könnte es Mercedes treffen.

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Die Zeit der strikt positiven Nachrichten aus China für die deutschen Automobilhersteller scheint passé. Denn CCTV hat es offenbar auf deutsche Autobauer abgesehen. Nachdem bei der letztjährigen Consumer Rights Day Gala neben Apple auch Volkswagen sein Fett weg bekam, könnte in diesem Jahr Mercedes an der Reihe sein. Weil Chinas Konsumenten sich ihres Einflusses immer bewusster werden und zunehmend ihre Rechte einfordern, könnte das einen harten Schlag für die Schwaben bedeuten.

China erweist sich zwar seit langem als Goldgrube für BMW, Mercedes & Co. Doch dafür sind nicht zuletzt die deutlich höheren Preise im Reich der Mitte verantwortlich. Eine große Medienschelte wegen der Autopreis-Abzocke blieb zwar überwiegend ohne Konsequenzen, doch die deutschen Automobilhersteller sollten keineswegs übermütig werden.

 

Kritik der letzten Jahre

Die CCTV-Gala zum Consumer Rights Day wird jährlich von mehreren Hundertmillionen Chinesen verfolgt. Dass die Kritik von CCTV schmerzhaft sein kann, musste auch schon McDonald’s erfahren. McDonald’s wurde 2012 beschuldigt, abgelaufene Produkte zu verkaufen.

Volkswagen wurde im letzten Jahr vorgeworfen, Autos zu verkaufen, deren Schaltgetriebe nicht dem Standard entsprächen. Dies hätte zu zahlreichen Unfällen geführt, argumentierte CCTV weiter. Volkswagen versprach daraufhin, keine Mühen zu scheuen und die Mängel schnellstmöglich zu beheben. Zudem wurde Apple kritisiert, weil sich die Kalifornier nicht an chinesische Verbraucherschutzvorgaben hielten und den Konsumenten in China weniger Rechte als in anderen Ländern einräumten.

 

CCTV kämpft mit der Glaubwürdigkeit

Im letzten Jahr büßte CCTV jedoch an Glaubwürdigkeit ein. Der Entrüstungssturm gegen Apple auf Weibo wurde als teilweise inszeniert entlarvt. Apple nahm daher keinen großen Schaden. Trotzdem änderten die Amerikaner ihre Garantiebedingungen.

Im Laufe des letzten Jahres nahm CCTV mit seiner Berichterstattung verstärkt internationale Firmen ins Visier. Die Reaktionen hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können: teils bewegte die Kritik die Unternehmen zu Veränderungen, teils verspotteten die Zuschauer die Berichterstattung. Wenig Gehör fand beispielsweise der Vorwurf, Starbucks würde seinen Kaffee in China viel zu teuer verkaufen. Auf Weibo & Co. beschwerten sich viele Internetnutzer, die Konsumenten hätten andere Sorgen als zu teuren Starbucks-Kaffee.

 

Kandidaten für dieses Jahr

Es gilt als so gut wie sicher, dass ein internationaler Hersteller für Luxus- oder Premiumautos am kommenden Samstag ins Kreuzfeuer der Kritik gerät – zu viele Negativschlagzeilen sammelten sich im vergangenen Jahr an. Angriffsfläche bieten vor allem die gefragten deutschen Automarken mit ihren hohen Gewinnspannen. Die hohen Verkaufszahlen von Mercedes, BMW und Audi gehen schließlich auch zulasten der Marktanteile chinesischer Autobauer.

 

Text: Verena Weber / Foto: Dmitry Fironov (Wikimedia Commons)