Ausländische Lebensmittel auf dem Vormarsch

Immer häufiger beunruhigen Lebensmittelskandale die chinesischen Verbraucher. Um sich zu schützen, kaufen viele Chinesen daher laut einer Umfrage von DDMA ausländische Produkte – sofern sie es sich leisten können.

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Verbraucher fordern strengere Kontrollen

In den letzten drei Jahren berichteten chinesische Medien über sage und schreibe 1.090 Lebensmittelskandale. Das einzig Positive daran: die Zahl der Skandale ist rückläufig. Waren es 2011 noch 712 Skandale, waren es 2013 nur noch 210.

Dem kolportierten Frieden scheint die Bevölkerung jedoch nicht zu trauen. Die Lebensmittelsicherheit beschäftigt die Chinesen mit Abstand mehr als jedes andere Problem. Sie liegt damit weit vor Themen wie Luft- und Wasserqualität, medizinischer Versorgung oder der Wirtschaftslage, wie die Umfrageergebnisse einer Studie von DDMA (Data Driven Marketing Asia) beweisen.

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Die Umfrage wandte sich an 500 Einwohner Shanghais mit mittlerem bis hohem Einkommen. 94 % der befragten Konsumenten machen unehrliche Unternehmen zusammen mit mangelnden Strafen für die zahlreichen Lebensmittelskandale verantwortlich. 92 % der Befragten wünschen sich deshalb strengere Kontrollen.

So helfen sich die meisten nur durch eins: chinesische Lebensmittel, so gut es geht, zu vermeiden. 48 % der Umfrageteilnehmer suchen im Supermarkt aktiv nach ausländischen Produkten und 60 % ziehen Restaurants mit internationaler Küche vor.

 

Produkte aus Neuseeland und Australien gelten als die sichersten

Ausländische Produkte sind deutlich teurer als einheimische. Diesen Luxus leisten sich die Wohlhabenden jedoch gerne. 80 % der Befragten mit hohem Einkommen sind der Meinung, dass ausländische Lebensmittelmarken besser sind. Unter denen mit mittlerem Einkommen waren es ebenfalls 70 %. Erstaunlicherweise findet diese Ansicht auch unter Befragten mit geringem Einkommen noch große Zustimmung.

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Am meisten Vertrauen bringen die Befragten Produkten aus Neuseeland entgegen. Die strikten Lebensmittelauflagen und die unbelastete Natur machten Erzeugnisse besonders sicher und wertvoll. Platz zwei belegt Australien. Sein gutes Image bei chinesischen Verbrauchern verdankt es seiner größtenteils unberührten Natur.

Deutschland schafft es auf Platz drei, die USA auf Platz vier. Die Umwelt in Deutschland und den USA nehmen die Befragten als belasteter wahr, jedoch überzeugen die strengen Vorschriften die chinesischen Konsumenten. Deutsche Marken werden von den Chinesen als besonders vertrauenswürdig empfunden.

In Deutschland machen sich die Konsumenten eher keinen Kopf über verseuchte Lebensmittel aus China. Dabei landen viele unsichere Lebensmittel aus Fernost auch in unseren Supermarktregalen – und das ohne Kennzeichnungspflicht.

 

Text: Verena Weber / Foto: 21China / Abbildungen: DDMA