8 Gesetze, die in China keinen interessieren

禁止! Verboten! Das liest man häufig auf chinesischen Schildern. Doch bei der Einhaltung mancher Regeln und Gesetze sehen es die Chinesen eher nicht so eng.

Die Straßenverkehrsordnung

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Hier denkt jeder nur an sich selbst: Chinas Verkehrskreuzungen / Foto: china-mike.com

Was bereits beim ersten Besuch in China deutlich wird, wenn man sich am Flughafen ins Taxi setzt: Die meisten Chinesen kennen das Reisverschlusssystem nur aus ihrem Kleiderschrank. Und für so manchen chinesischen Taxifahrer ist eine rote Ampel eher ein freundlicher Warnhinweis als ein bindendes Signal. Drüberfahren? Wird schon schief gehen. Sicherheitsgurte? Überbewertet. Zulässige Nutzlast? Einfach mit der Risikobereitschaft des Fahrers multiplizieren. Kurzum: Auf Chinas Straßen herrscht Anarchie.

Lärmschutz

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Sieht schön aus, macht aber Krach: Chinas Omis tanzen gern im Freien / Foto: (Wikimedia Commons)

Ruhe ist ein seltenes Gut in Chinas Großstädten. Die Presslufthämmer des Landes hämmern auch um drei Uhr morgens, Autos hupen sowieso in der Endlosschleife und spätestens zum Sonnenaufgang tanzen Chinas Omas zu ohrenbetäubender Musik im Freien. Dass Passagierflugzeuge eigentlich die ganze Nacht im Landeanflug über den Dächern der Stadt kreisen, ist da noch das kleinste Übel. Wir sind uns sicher: China ist das Land, das niemals schläft.

Prostitutionsverbot

In China haben viele Prostituierte sogar Visitenkarten / Foto: Indi Samarajiva (Flickr)

Auch wenn es immer wieder sporadische Razzien gegen Prostitution gibt. In China ist die käufliche Lust fester Bestandteil der Alltagskultur. Man findet sie unter anderem in Hotellobbys, Karaokebars oder Massagesalons. Vielerorts legen Militär oder Polizei gar ihre schützende Hand über die florierende Rotlichtszene – und verdienen munter mit.

Korruption

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Auch vor hohen Politikern wie Zhou Yongkang macht die Anti-Korruptions-Kampagne nicht halt / Foto: SFTHG (Flickr)

Manchmal geht es einfach nicht ohne. Die Korruption ist in China so tief in der Gesellschaft verankert, dass Xi Jinpings Anti-Korruptions-Kampagne wie ein Kampf gegen Windmühlen klingt. Einige Chinesen beschweren sich bereits, dass jeder Behördengang zur Tortur wird, weil niedere Beamte keine Beschleunigungsgelder mehr annehmen. Doch nicht nur Chinesen arbeiten gerne mit Schmiergeldern. Auch so manches deutsche Unternehmen hat sich in der Vergangenheit bei Megadeals in China nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Umweltschutzgesetze

Smog-Schleier über Shanghai / Foto: HG Esch

Die enormen Umweltprobleme des Landes sind auch in China in aller Munde. Doch kaum ein Chinese tut selbst etwas dagegen. Unternehmer scheren sich oft ebenso wenig darum wie Privatleute. Ob fehlendes Umweltbewusstsein oder schlichte Ignoranz: So verschwinden Smog und Verschmutzung leider nicht so schnell aus China.

Bauvorschriften

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Ob die da hingehören? Brandschutz auf Chinesisch / Foto: 21China

Stünde der Flughafen BER nicht in Berlin, sondern in China, wäre er vermutlich bereits eröffnet worden. Ob und wie sicher ein Gebäude im Ernstfall ist, richtet sich nicht selten nach der Höhe des Schmiergeldes. Darüber hinaus gilt auf Chinas Baustellen ohnehin: Höher, schneller, weiter. Die Einhaltung von Bauvorschriften ist da natürlich nur Nebensache.

Patentrecht

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Genau hinsehen lohnt sich: Diese AIR MAX sind AIP MAX (heller Bereich) / Foto: Taobao.com

Dass so manches chinesische Unternehmen nicht wirklich viel auf Patente gibt, ist hinlänglich bekannt. Auch wenn sie selbst immer mehr Patente anmelden. Allerdings scheint eine handfeste Fälschung auch viele chinesische Konsumenten nicht zu stören, solange der Preis stimmt. Auf Taobao findet man günstige Nike AIP MAX statt teurer AIR MAX, reichlich gefälschte Medikamente und Produkte Made in Germany mit echten deutschen Rechtschreib- und Grammatikfehlern auf der Verpackung.

Schlange stehen

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Bahnhaltestelle in Guangzhou / Foto: Tom Booth (Flickr)

Ok, dass man sich hinten anstellen sollte, ist vielleicht kein richtiges Gesetz. Im Westen ist es aber ein ungeschriebenes. Die Chinesen nehmen den Satz first come, first serve jedoch wörtlich. Denn in China wird gedrängelt, was das Zeug hält: beim Wiegen im Supermarkt, bei der Passkontrolle am Flughafen oder beim Aussteigen (!) im Bus. Pas Problem: Viele Menschen mit viel zu wenig Zeit. Trotzdem will in China jeder überall immer der erste sein. Wenn man da als Ausländer mithalten möchte, braucht man ordentlich Hornhaut auf den Ellenbogen.