China neu verstehen.

Die China AG

China wird nicht wie ein klassischer Staat regiert. Vielmehr führen die Politiker das Land wie Manager ein kapitalistisches Unternehmen. 5 Gründe, warum die Volksrepublik ein westlicher Großkonzern sein könnte.

1. Die Hauptversammlung

Finden sich alle vier Jahre die rund 3.000 Mitglieder des Nationalen Volkskongresses in Pekings Großer Halle des Volkes ein, erinnert das sehr an die Hauptversammlung einer großen Aktiengesellschaft. Gewählt wird die Geschäftsführung des Landes. Hier entscheidet sich formell, wohin sich das Land in den nächsten Jahren bewegt.

2. Mitarbeiterrechte

Die 1,3 Milliarden Mitarbeiter der China AG dürfen ihre Geschäftsführung nicht selbst wählen. Das ist Teil der Unternehmenskultur und bei Siemens und Daimler auch nicht anders. Denn Unternehmen kümmern sich vordergründig um ihre Haushaltsbücher und nicht um die Belange der Mitarbeiter.

3. Erfolgskontrolle

Die Erfolgskontrolle ist ebenfalls ein wichtiger Teil der chinesischen Unternehmenskultur. Bürgermeister und Gouverneure müssen Wachstumsziele erreichen, die ihnen die Zentralregierung vorgibt. Es ist nicht weiter wunderlich, dass viele Entscheidungsträger ehemalige Manager sind, die teilweise erfolgreich im Ausland gearbeitet haben. Die Arbeitsbedingungen sind jedenfalls die gleichen: Wer nicht leistet, der fliegt. Und wer bleibt, wird unter Umständen reich – auch auf illegale Weise.

4. Unternehmerfamilien

Wo klassische Unternehmerfamilien es noch schwer haben, gibt es in der Volksrepublik schon seit Jahrzehnten wohlhabende Politikerclans. In den Familien der Staatsoberen tummeln sich zahlreiche Millionäre, die vom politischen Konzept des Landes profitieren.

5. Kommunikation

Im Kommunismus sind kapitalistische Prozesse normalerweise nicht vorgesehen. Doch der Kommunismus beschränkt sich in China fast nur noch auf die Außendarstellung. Im Marketing spricht man von der Corporate Identity des Unternehmens. Wofür soll das Unternehmen stehen? Welche Merkmale unterscheiden das Land von anderen Staaten? Das alles hat die Marketing-Abteilung der kommunistischen Partei präzise festgelegt. Das Corporate Design trägt die Botschaft nach außen. Hier ein bisschen Mao, dort ein paar Sterne und natürlich ganz viel Rot. Das Wording macht China in Ansprachen und Nachrichten schlussendlich zur Volksrepublik – und die Kommunikation zur letzten Bastion der Staatsideologie. Ein Beispiel? In China existiert kein Kapitalismus, nur ein „Sozialismus chinesischer Prägung“. PR, Werbung, Propaganda – wo ist da der Unterschied?

Dazu versprühen chinesische Staatsmedien in der Regel den Charme einer faden Unternehmenszeitung. Selbstverherrlichung und Schadensbegrenzung lassen das Land stets im besten Licht erscheinen. Und prekäre Informationen werden nur tröpfchenweise veröffentlicht. PR wie bei Wiesenhof, RWE oder Schlecker.