Studie: Wie sich Chinas politische Sprache verändert

Heute spricht die chinesische Führung gern vom Chinesischen Traum. Doch es ist ein Kommen und Gehen: Im Wandel der Zeit bediente sich Pekings Propaganda verschiedenster Slogans, um ihre politische Ziele zu kommunizieren.

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Olympische Eröffnungszeremonie 2008: Auf zu neuen Ufern mit Pekings Propaganda / Foto: U.S. Army (Flickr)

Seitdem sich der Propagandaslogan „der Chinesische Traum“ unter der Regierung Xi Jinping als besonders massentauglich und motivierend erwiesen hat, mag man sich fragen: Wie war das noch gleich vor Xis Zeit?

Eine Studie des China Media Project der Universität Hong Kong ging jetzt den politischen Begrifflichkeiten der letzten Jahre auf die Spur.

Begriffe, die verblassen

Wer erinnert sich zum Beispiel noch an den Begriff der Harmonischen Gesellschaft (héxié shèhuì)? Das Ziel der Harmonischen Gesellschaft wurde 2004 auf dem Parteitag unter dem damaligen Staatspräsidenten Hu Jintao (2003-2013) vorgestellt. Laut der Studie der Universität Hong Kong erreichte der Begriff zwischen 2005 und 2007 den Höhepunkt seiner Popularität. Der Tiefpunkt folgte im Jahr 2013. Dennoch findet der Begriff der Harmonie auch heute noch einen Nachklang im aktuellen politischen Diskurs.

Ebenfalls etwas in Vergessenheit geraten ist die politische Leitlinie des Dreifachen Vertretens (sāngè dàibiăo). Paramount Leader Jiang Zemin (1993-2003) brachte den Begriff 2002 ins Spiel. Demnach soll die Kommunistische Partei Chinas die wirtschaftlichen, kulturellen und grundlegenden Interessen der Mehrheit des chinesischen Volkes vertreten.

Hellblaue und dunkelrote Begriffe

Neben den politischen Leitlinien existieren sogenannte hellblaue Begriffe. Diese lässt die Partei nur unter Vorbehalt zu. Zu ihnen gehören Floskeln wie „der Mensch als Ausgangspunkt“ oder „Reform des Politischen Systems“, aber auch Begriffe wie Politische Zivilisation oder Parteiinterne Demokratie.

Die Studie der Universität beweist nun, dass solche hellblauen Begriffe besonders dann in den Medien auftauchen, wenn die zu Beginn genannten, von politischen Führern geprägten Propagandasprüche gerade im Umlauf sind. Jedoch: Die hellblauen Begriffe sollen in den letzten Jahren immer seltener verwendet worden sein.

Auf dem Vormarsch sind hingegen die dunkelroten Begriffe. Sie stammen noch aus den Zeiten Maos. So verzeichnete Baidu letztes Jahr einen rasanten Anstieg mit Nachrichten, deren Titel den Begriff „Maos Ideen“ enthielten.

Begriffe als Spiegelbild parteiinterner Entwicklungen

Wie Peking mit seinen politischen Begriffen umgeht, wirft immer auch Licht ins Dunkel der Entwicklungen innerhalb der Partei. So verlor der Begriff der Pareiinternen Demokratie laut Studie an Medienpräsenz, nachdem Hu Jintao 2013 abdankte. Hu soll mit verschiedenen Wahlmodellen in Richtung Dezentralisierung der Parteimacht herumexperimentiert haben. Auch ähnliche Begriffe wie Differentialwahl oder „Offene Nominierung und Direktwahl“ traten nach Hu weiter in den Hintergrund.

Sein Nachfolger Xi Jinping spricht hingegen gerne von Konsultativer Demokratie (xiéshāng mínzhǔ), die gemeinsam mit der Wahldemokratie zwei wichtige Formen der Demokratie chinesischer Prägung bilden soll.

Auffällig ist auch die zunehmend negative Bewertung einiger vor 2013 als hellblau geltender Begriffe wie universale Werte oder Konstitutionalismus. Der Rückzug liberaler Begriffe zeigt sich weiterhin anhand der sinkenden Gebrauchsfrequenz des Wortes Bürgergesellschaft in der Southern Metropolis Daily im folgenden Diagramm.

Bild_Bürgergesellschaft

Text: Yan Peng