E-Mobilität: China als Vorreiter?

Die Chinesen bauen das größte Elektro-Schnelladenetz der Welt. Damit wollen sie sich den Weg für die Marktführerschaft in Sachen E-Mobilität ebnen. Trotzdem wird auch die westliche Industrie davon profitieren.

Wenn man den Gerüchten Glauben schenken kann, könnte der chinesische Markt für Apple bald noch wichtiger werden. Sollten die Kalifornier tatsächlich am Kauf des führenden Elektroauto-Herstellers Tesla interessiert sein, werden sie zum Akteur im bald vielleicht wichtigsten Elektrofahrzeug-Markt der Welt. Wie wichtig der Markt jetzt schon ist, bewies Tesla bereits mit der Ankündigung, seine Autos in China relativ  günstig zu verkaufen.

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Mit Europa zum wichtigsten Markt für E-Mobilität

Dass in China der wichtigste Elektrofahrzeug-Markt der Welt entstehen soll, ist zunächst noch ein Plan der chinesischen Regierung. Dieser soll vor allem die landeseigene Autoproduktion beflügeln. Doch auch für ausländische Unternehmen bieten die Pläne Anlass zur Freude. Denn zunächst macht das Vorhaben einen Schweizer Konzern ziemlich glücklich: den Energietechnik-Riesen ABB. Die Schweizer werden der Volksrepublik zum größten Schnellladenetz der Welt verhelfen. Sie sollen Tankstellen und Privathaushalte mit den noch wenig verbreiteten Schnellladestationen ausstatten. Diese sind essenziell für die Entwicklung des Marktes.

Doch wie kommen die ABB-Schnelllader in die Privathaushalte? Ganz einfach: mit den Autos. Solche Bündelangebote sind bei den Autobauern durchaus üblich, weil fehlende Ladestationen immer noch das größte Hindernis beim Verkauf von Elektroautos darstellen. Gemeinsam mit ABB versuchen die Chinesen auf diese Weise den heimischen Markt zu erobern. Dabei setzt die Regierung ihre Hoffnung vor allem in den Premium-Elektrofahrzeughersteller Denza, der sein erstes Auto dieses Jahr im April bei der Pekinger Autoshow präsentieren wird.

Der Denza erinnert optisch nicht ohne Grund an die B-Klasse von Mercedes. Das Auto wurde vom schwäbischen Autobauer gemeinsam mit dem chinesischen Joint-Venture-Partner BYD entwickelt. Von solchen Kooperationen erhoffen sich die Chinesen künftig eine Vorreiterrolle in Sachen E-Mobilität.

 

5 Millionen Elektroautos bis 2020

Doch auch wenn man das im Westen nicht vermutet: die Chinesen nehmen diese Vorreiterrolle bereits jetzt ein. Während Angela Merkel bis 2020 von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen träumt, peilt man im Reich der Mitte satte fünf Millionen an – und das womöglich zurecht.

Ein Blick auf die Straßen Chinas legitimiert die Ambitionen der Regierung. In den Großstädten rollen längst unzählige elektrische Roller, Busse und Taxis über den Asphalt.

Bei alternativen Antrieben geht es in der Volksrepublik nicht zuletzt um die Lebensqualität. Auch wenn der Strom nicht aus grünen Energiequellen stammt, so lässt sich doch zumindest ein Teil des Smogproblems mit Hilfe von Elektroantrieben aus den Großstädten verbannen.

Text: Adrian Kummer / Foto: Denza